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Holz, Schokolade und Bürgerkrieg

Dienstag 20. Dezember 2005, 11:30 Uhr

Süße Schokolade finanziert bittere Auseinandersetzungen

Abidjan (AP) Wolkenkratzer formen die Skyline von Abidjan. Der Regierungssitz der Elfenbeinküste hat ein modernes Gesicht. Doch in der Luft liegen Spannungen und manche meinen, dass der nächste Krieg schon zu riechen sei - ebenso wie der allgegenwärtige süße Duft von Schokolade. Seit Jahren lebt das westafrikanische Land mit Staatsstreichen, Kämpfen und gescheiterten Friedensabkommen - nur der Kakao-Industrie kann das alles nichts anhaben.

Rund 1,3 Millionen Tonnen Kakao werden in der Elfenbeinküste jährlich produziert, mehr als in jedem anderen Land der Welt. 40 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos stammen aus dem westafrikanischen Land. Größter Abnehmer sind die USA, die rund 70 Prozent des ivorischen Kakaos aufkaufen.

«Der Kakao ist die Elfenbeinküste», sagt Daniel Abo, Vizepräsident der ivorischen Kakao- und Kaffee-Behörde. «Er hat das Land zu dem gemacht, was es ist.» Und damit auch ruiniert, mögen Kritiker ergänzen. Im Süden des Landes fließen Gewinne aus der Kakao-Industrie in die regierungstreue Armee. Den Norden des Landes kontrollieren Rebellen, die Kakaobohnen schmuggeln.

Kakao macht 43 Prozent des Bruttosozialprodukts aus. In den Fabriken von Abidjan werden die Bohnen verarbeitet, und aus den Schloten kriecht Rauch, der den schweren Geruch von Schokolade trägt. Adama Tarnagda arbeitet in der Nähe einer dieser Fabriken, seine Aufgabe ist es, die Bahnschranke zu öffnen und zu schließen. Bis vor drei Jahren hat der Einwanderer aus Burkina Faso im Südwesten der Elfenbeinküste auf einer Kakao-Farm gearbeitet, wegen kriegerischer Auseinandersetzungen floh er von dort nach Abidjan. «Der Geruch des Kakaos macht mich wehmütig», sagt Tarnagda. «Sobald der Krieg vorbei ist, will ich zurück zu den Kakao-Feldern.»

Jahrzehntelang haben die ergiebigen Farmen Einwanderer aus ganz Westafrika in die Elfenbeinküste gelockt. Schätzungen zufolge sind 40 Prozent der 17 Millionen Einwohner der Elfenbeinküste Einwanderer oder stammen von diesen ab. Seit jedoch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Preise für den Kakao fielen, verschärft sich die Fremdenfeindlichkeit.

Der 1999 gestürzte Präsident Henri Konan Bedie machte sich die fremdenfeindliche Stimmung politisch zunutze und führte das nationalistische Konzept der «Ivoirité» ein. Danach genießen Bürger rein ivorischer Abstammung mehr Rechte als die eingewanderten Einwohner und ihre Nachkommen. Die «Ivoirité» ist auch der Kern des Konflikts zwischen dem regierungstreuen Süden und dem Norden des Landes, der seit 2002 in der Hand von Rebellen ist. Die Bewohner des Nordens fühlen sich als Fremde im eigenen Land.

Seit einem Friedensabkommen 2003 ist es in der Elfenbeinküste überwiegend ruhig. Dennoch bricht die Gewalt immer wieder hervor. So kam es beispielsweise im Juni in der Stadt Duekoue im Westen zu Unruhen zwischen Gruppen von ivorischer und nicht-ivorischer Abstammung. 100 Menschen kamen dabei ums Leben.

Der größte Teil der Kakao-Ernte stammt aus Gebieten, die von der Regierung kontrolliert werden. Doch einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge nutzen auch die Rebellen neben Gold, Diamanten und Edelhölzern den Kakao, um ihre militärischen Aktivitäten zu finanzieren. Ebenso sei die Regierung auf den Kakao angewiesen, um handlungsfähig zu bleiben.


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