AktuellWaldbrände in Indonesien
Mittwoch 22. November 2006, 12:03 Uhr Waldbrände in Indonesien gefährden die letzten Orang-UtansMantangai/Indonesien (AP) Der Rauch der nahen Waldbrände beißt den Umweltschützer in den Augen. Er legt seinen mit Beruhigungsmitteln präparierten Pfeil auf einen Orang-Utan im Dschungel von Borneo an. Nach einigen Fehlversuchen trifft er das Tier, das anschließend in ein Reservat gebracht wird. Dort ist der Menschenaffe fürs erste sicher vor Brandrodungen, Wilderern und Bauern, die mit ihren Macheten jedes Jahr rund 1.000 Orang-Utans töten, wie Hardi Baktiantoro von der Borneo Orangutan Survival Foundation erklärt.Die indonesischen Inseln Borneo und Sumatra sind die letzten Zufluchtsstätten der Menschenaffen. Umweltschützer warnen, dass die letzten 60.000 Tiere in einem Jahrzehnt verschwinden könnten. Die jedes Jahr von Bauern, Plantagenbesitzern und Palmöl-Unternehmern gelegten Feuer beschleunigten diese Entwicklung weiter. Dieses Jahr sei es besonders schlimm, und die Brände seien außer Kontrolle, sagt Baktiantoro, nachdem Mitarbeiter seiner Stiftung stundenlang im Urwald nach den dringend auf Hilfe angewiesenen Tieren gesucht haben. Wegen der Feuer liegt die Sicht unter dem grauen Himmel bei weniger als 100 Metern, der Rauch steigt in die Nase, sorgt für Irritationen im Hals und reizt die Augen. «Wir glauben, dass wir mehr Orang-Utans verloren haben als je zuvor», sagt Baktiantoro. Nach Schätzungen einer anderen Umweltgruppe fielen in diesem Jahr 800.000 Hektar auf Borneo den Flammen zum Opfer. Die Brandrodung treibt die Affen auf der Suche nach Nahrung in Plantagen, wo einige Bauern mit Macheten, Schlagstöcken und Gewehren auf sie Jagd machen. «Manchmal zerstören sie hektarweise Land und fressen hunderte Knospen», verteidigt Muji Harto, ein Palmöl-Arbeiter im Bezirk Lamandau in der Provinz Kalimantan, das Vorgehen der Bauern gegen die Orang-Utans. «Wir wissen, dass sie gefährdet und geschützt sind. Aber war können wir sonst tun?» Die kleinen Landwirte sehen die wahren Schuldigen in den großen Palmöl-Konzernen, die nach ihrer Meinung die meisten großen Feuer legen. 45 Orang-Utans sind in den vergangenen Wochen zur Behandlung in medizinische Zentren gebracht worden, einige wegen Atemproblemen und Verbrennungen. Die meisten jedoch hatten Wunden, die ihnen von Menschen zugefügt wurden, wie Anand Ramanathan vom Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) berichtet. Einigen seien die Pfoten abgehackt worden, sie litten an Schussverletzungen oder hätten Schnitte im Gesicht. Affenbabys würden oft als Haustiere gehalten oder verkauft, berichtet Baktiantoro von der Stiftung zur Rettung der bedrohten Tiere. Er arbeitet in einem Wildpark im Bezirk Nyaru Menteng, wo 400 Orang-Utans auf ihre Auswilderung vorbereitet werden. Ein Viertel von ihnen sind Waisen. Aber auch wenn sie dieses Jahr noch überleben - die Landwirte sagen, dass sie die seit Generationen überlieferte Brandrodung nicht aufgeben und im nächsten Jahr weitermachen würden. In ihre Heimat zurückgebracht wurden am Mittwoch auch 48 Orang-Utans, die vor mehr als zwei Jahren aus einem Privatzoo in Thailand gerettet worden waren. Die Tiere sollen in Kürze in ein Reservat auf Borneo ausgewildert werden, wie Naturschützer in Jakarta mitteilten. Die vermutlich nach Thailand eingeschmuggelten Affen waren in dem Zoo Safari World nahe Bangkok in engen Käfigen gehalten und zu täglichen Boxkämpfen missbraucht worden. Seit ihrer Rettung im August 2004 waren sie in einer Aufzuchtstation in Thailand untergebracht. http://www.ifaw.org http://www.savetheorangutan.org.uk » zurück |
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