Aktuell


Großes neues Amazonas-Schutzgebiet (erweitert)

Dienstag 5. Dezember 2006, 07:28 Uhr

Brasilien gründet größtes Urwaldschutzgebiet der Welt

Rio de Janeiro (dpa) - Brasilien hat im Amazonas-Regenwald nach eigenen Angaben das größte Urwaldschutzgebiet der Erde geschaffen.

Die sieben zusammenhängenden Nationalparks hätten eine Gesamtfläche von knapp 16 Millionen Hektar, gab am späten Montagabend (Ortszeit) der Vater des Projekts, der Gouverneur des nördlichen Bundeslandes Pará, Simao Jatene bekannt. Das Naturschutzgebiet ist damit knapp halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland (35 Millionen Hektar).

Wie Gouverneur Jatene mitteilte, soll in der Region im Bundesstaat Pará - der von Landkonflikten, illegaler Abholzung und der sklavenähnlichen Ausbeutung der Indios besonders schlimm betroffen ist - eine Strategie der nachhaltigen Entwicklung angewandt werden. Im dem Schutzgebiet werde Abholzung grundsätzlich verboten sein. Landwirtschaftliche Betriebe würden allerdings erlaubt werden, aber nur unter strikter Kontrolle des Staates.

Mit der Gründung des neuen Naturschutzgebiets, das auch in die Bundesstaaten Amapa und Amazonas hineinreicht, seien nun im gesamten Amazonas-Regenwald 42 Prozent der Fläche der «grünen Lunge der Erde» unter Schutz gestellt, betonte Adalberto Veríssimo, Sprecher des staatlichen Instituts für Umweltforschung im Amazonasgebiet (Imazon). Die positiven Auswirkungen des Projekts würden global zu spüren sein. Geschützt würden nun auch zahlreiche Arten von Vögeln, Wildkatzen, Affen und Reptilien, die zum Teil vom Aussterben bedroht seien.


Dienstag 5. Dezember 2006, 00:10 Uhr

Großes Gebiet im brasilianischen Regenwald zum Schutzgebiet erklärt

Rio de Janeiro (AP) Die brasilianischen Behörden haben am Montag ein Gebiet in der Größenordnung von England im Amazonas-Regenwald unter den Schutz der Regierung gestellt. Die 150.000 Quadratkilometer im Guyana-Schild grenzen an bereits bestehende Reservate, die sich bis in die Nachbarländer Guyana, Surinam und Französisch-Guayana erstrecken.

Unklar war, ob die Ausweisung der neuen Schutzfläche das Abholzen des Amazons-Dschungels verlangsamen kann. Der meiste Regenwald geht im Süden der Region verloren. «Wenn irgendein tropischer Regenwald auf der Erde in einem Jahrhundert noch intakt sein sollte, dann wird es dieser Teil des nördlichen Amazoniens sein», sagte der Präsident der Umweltorganisation Conservation International, Russell Mittermeier.

Abholzung, Landwirtschaft und Infrastrukturmaßnahmen haben bereits 20 Prozent oder 4,1 Millionen Quadratkilometer des Amazonas-Waldes zerstört, der 60 Prozent der Fläche Brasiliens bedeckte. Allein in den vergangenen vier Jahren ging ein Gebiet so groß wie der Süden des US-Staats Kalifornien verloren.


Brasilien: Amazonas vor Rodung gerettet

Umweltschützer warnen vor Raubbau für Sojaplantagen

Von Wolfgang Weitlaner, Pressetext Austria, 5.12.06

Ein großer Teil des Amazonas-Regenwaldes im Norden von Brasilien wird unter Schutz gestellt, berichtet die Umweltorganisation Conservation International. Die ausgewiesene Naturschutzregion im nördlichen Bundesstaats Para umfasst eine Fläche von insgesamt 16,4 Mio. Hektar - das ist mehr als die gesamte Fläche von England. Die Umweltorganisation spricht von einer der artenreichsten Regionen der Erde, in der einige sehr seltene Tier- und Pflanzenarten leben.

Nach Angaben von Conservation International ist die Entscheidung des Gouverneurs von Para, Simao Jatene, eine der wichtigsten Schutzprojekt-Initiativen der vergangenen Jahre. Die Umweltorganisation sieht damit den Regenwald für künftige Generationen vor Rodungen gesichert. Erfreut zeigt sich auch der Regenwald-Experte Wolfgang Pekny von Greenpeace-Österreich über dieses Projekt. "Das Schrecklichste, was in diesen Regionen passiert, ist das Stehenlassen so genannter Urwaldinseln ohne Korridore", so Pekny gegenüber pressetext. "Wenn es keine Korridore zu anderen Waldteilen gibt, fehlt der genetische Austausch und die Artenvielfalt nimmt rapide ab." Pekny hatte vor sechs Jahren ein Buch über die Urwälder der Erde publiziert und war mehrmals in dieser Region.

"Natürlich wird am liebsten das unter Schutz gestellt, was ohnehin nicht kommerziell interessant ist", meint Pekny. "Bei unseren Erhebungen im Jahr 2000 war die Holzeinbringung noch der größte Feind des Regenwaldes." Das habe sich heute geändert. "Die Verlockung auf gerodetem Urwaldboden Soja anzubauen ist viel größer, denn Soja wird als Futtermittel überall hin verkauft." Die kommende Bedrohung der Regenwälder sieht der Experte, der sich derzeit mit dem Projekt "ökologischer Fußabdruck" gemeinsam mit dem WWF-Österreich beschäftigt, auch in den Zuckerrohr-Monokulturen. "Der Durst nach Biotreibstoffen wird weltweit immer größer, allerdings fehlt in den meisten Staaten der Welt die Anbaufläche, daher sind wieder jene Länder gefragt, die über solche Flächen verfügen."

Dennoch feiern die Umweltschützer das neu gewonnene Schutzgebiet. "Diese Region verfügt über mehr unberührten Regenwald als jede andere auf der Welt", triumphiert Russell Mittermaier, Präsident von Conservation International. Insgesamt sind neun neue Regionen hinzugekommen, die auch einen Korridor zu den nördlich des Amazonas gelegenen Gebieten im Staat Amapa und weiter nördlich nach Französisch-Guyana, Guyana und Surinam bilden. Diese Region gilt unter den Wissenschaftlern als eine der wichtigsten ökologischen Nischen weltweit. Bisher sind fast 90 Prozent des Urwaldes am Guyana-Shield unberührt. Dieses Gebiet ist die wichtigste Süßwasser-Reserve des tropischen Südamerikas. Fast 20 Prozent des weltweiten Wassers läuft hier durch.


16,4 Millionen Hektar Regenwald gerettet

Von Sanja Schlösser, Greenpeace-Online, 5.12.06

Der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Para, Simao Jatene, hat entschieden, einen großen Teil des Amazonas-Regenwaldes unter Schutz zu stellen. Das Gebiet liegt im Norden des Landes und umfasst eine Fläche von 16,4 Millionen Hektar. Es ist damit fast halb so groß wie Deutschland. Die Entscheidung ist ein großer Erfolg - darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die am stärksten bedrohten Regenwaldgebiete woanders liegen.

"Natürlich wird am liebsten das unter Schutz gestellt, was ohnehin nicht kommerziell interessant ist," sagt Wald-Experte Wolfgang Pekny von Greenpeace. Die größte Bedrohung für den Amazonas kommt im Moment aus dem Süden. Hier ist der Kahlschlag bereits am weitesten fortgeschritten.

Inzwischen geht es bei der Abholzung nicht mehr nur um Holzgewinnung. Der Haupteil der jährlichen Waldrodung erfüllt den Zweck, neue Flächen für den Sojaanbau zu schaffen. Denn Soja ist als Futtermittel ein weltweites und einträgliches Handelsgut.

Auch der Schutz angrenzender Gebiete ist wichtig. "Das Schrecklichste ist das Stehenlassen so genannter Urwaldinseln ohne Korridore," so Pekny. "Wenn es keine Korridore zu anderen Waldteilen gibt, fehlt der genetische Austausch und die Artenvielfalt nimmt rapide ab." Dennoch gibt natürlich jedes neue Gebiet, das unter Schutz gestellt wird, wieder neue Hoffnung, dass die biologische Vielfalt unserer Welt noch nicht verloren ist.


Größtes Schutz-Mosaik der Erde

Brasilien stellt 16,4 Millionen Hektar der Amazonas-Regenwälder unter Schutz

WWF Pressemitteilung, 5.12.06

In Brasilien werden weitere 16,4 Millionen Hektar Regenwald unter Schutz gestellt. Dies verkündete gestern der Gouverneur des Bundesstaates Pará Simao Jatene. Die Nachricht löste große Freude bei den Umweltschützern des WWF aus, die sich seit vielen Jahren für die Rettung der Amazonas-Regenwälder einsetzen. WWF-Fachbereichsleiter Michael Evers: „Eine Ausweisung von Schutzgebieten in dieser Größenordnung ist absolut einmalig. Mit den neuen Gebieten, die so groß sind wie Portugal und Irland zusammen, bekommt das dringend benötigte Mosaik aus noch unberührten Regenwaldflächen ganz wichtige Steine dazu.“ Nach Ansicht von Evers bilden die neuen 16 Millionen Hektar das größte Mosaik geschützter Regenwälder der Erde.

Noch finden sich im Amazonasbecken - ein Gebiet, in das die Bundesrepublik Deutschland etwa zwanzigmal hineinpassen würde - die größten zusammenhängenden Regenwälder der Erde. „Die Amazonas-Regenwälder sind aufgrund ihres Artenreichtums und ihrer Funktion als riesiger natürlicher Kohlenstoffspeicher die reinsten Kronjuwelen“, stellt Evers klar. Doch die Entwaldungsfront rückt aus dem Süden kommend immer weiter in den Dschungel vor. Jeden Tag werden hier bis zu 10.000 Fußballfelder Wald zerstört, damit sich menschliche Siedlungen, Viehweiden, der Bergbau und landwirtschaftliche Flächen zum Anbau von Soja ungehindert ausbreiten können.

1998 wurde auf Betreiben des WWF das so genannte ARPA-Programm der brasilianischen Regierung ins Leben gerufen. Ziel ist es, bis 2012 zwölf Prozent des Regenwaldes (50 Millionen Hektar) unter Schutz zu stellen. Der WWF hat diesen Rettungsplan bislang mit rund elf Millionen US-Dollar und intensiver fachlicher Beratung unterstützt. Im Rahmen des ARPA-Programms wurden schon rund 14,4 Millionen Hektar streng geschützt und so vor der Entwaldung bewahrt.


Dienstag 5. Dezember 2006, 15:21 Uhr

Brasilien schafft weltweit größtes Naturschutzgebiet

Rio de Janeiro (dpa) - Brasilien hat im Amazonas-Regenwald nach Regierungsangaben das größte Naturschutzgebiet der Erde geschaffen. Sieben neue Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 160 000 Quadratkilometern - knapp halb so groß wie Deutschland - ergänzen die bereits bestehenden Schutzgebiete.

«Das ist das größte Naturschutzgebiet des Planeten», jubelte der Gouverneur des nördlichen Bundeslandes Pará, Simao Jatene, am späten Montagabend (Ortszeit) vor Journalisten.

Die neuen Parks verbinden mehrere bereits geschützte Regionen. Auf diese Weise solle Tieren ein möglichst zusammenhängender Lebensraum geboten werden, betonte die Umweltorganisation Conservation International. In den Schutzgebieten wimmele es vor wilden Tierarten wie Jaguaren, Ameisenbären und farbenprächtigen Aras. Die Tiere erhielten nun die Möglichkeit, über lange Strecken zu wandern. Dies sichert einen regen Gen-Austausch - Voraussetzung für das langfristige Überleben vieler Arten.

Das Gebiet soll nach Jatenes Worten nachhaltig genutzt werden. Landwirtschaftliche Betriebe würden erlaubt, aber nur unter strikter Kontrolle des Staates. In einigen Regionen wird der Eingriff des Menschen allerdings ganz untersagt. «In einer Zeit, in der das größte Problem der Erde Klima ist, macht so eine Maßnahme Riesenhoffnung», sagte der Präsident der Grünen Partei in Brasilien, Jose Luis Pena.

Mit den neuen Parks seien im Amazonas-Regenwald 42 Prozent der «grünen Lunge der Erde» in irgendeiner Form geschützt, betonte Adalberto Veríssimo, Sprecher des staatlichen Umweltinstituts für Amazonien (Imazon). Die nachhaltige Entwicklung biete große Chancen für «gute und rechtmäßige Industrieunternehmer». Die positiven Auswirkungen des Projekts würden global zu spüren sein.

Das Amazonasgebiet und besonders der Bundesstaat Pará werden seit Jahrzehnten von Konflikten erschüttert. Kleinbauern werden im Landstreit von «Pistoleiros» der Großgrundbesitzer oder der Holzmafia ermordet. Indios werden unter sklavenähnlichen Bedingungen zum Abholzen wertvoller Bäume gezwungen. Zudem drängen Viehzüchter und Sojabauern in die Region. Brasilien ist zweitgrößter Sojaproduzent.

Nach Angaben von Conservation International ist in der Region seit 1970 eine Waldfläche der Größe Frankreichs vernichtet worden. In diesem Jahr hat die Urwaldzerstörung in Brasilien nach einer Hochrechnung des Umweltministeriums von September zum zweiten Mal in Folge aber deutlich abgenommen. 2006 werde demnach eine Fläche von rund 16 700 Quadratkilometern abgeholzt. Das seien zwar immer noch rund 6700 Fußballfelder pro Tag, bedeute aber eine Abnahme um 11 Prozent im Vergleich zu 2005 (18 790 Quadratkilometer). 2005 war die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes um 31 Prozent im Vergleich zum Jahr 2004 zurückgegangen.

Das größte Urwaldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas umfasst heute noch rund sechs Millionen Quadratkilometer. Der Wald gilt als einer der artenreichsten Lebensräume. Viele Tier- und Pflanzenarten sind noch gar nicht beschrieben.




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