Aktuell


Palmöl und Soja aus Regenwald

Europas Energieprobleme nicht auf Kosten anderer lösen!

Watch Indonesia! appelliert gegenüber EU-Parlamentariern für einen Verzicht auf Biodiesel aus indonesischem Palmöl

Watch Indonesia! Pressemitteilung, 11.12.06

„Biodiesel aus Palmöl löst Europas Energieprobleme nicht und eigent sich nicht zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. In Ressourcenländern wie Indonesien ist Biodiesel aus Palmöl ein gefährlicher Konkurrent für Regenwald und Nahrungsmittelpflanzen und geht zu Lasten von Menschen und Umwelt“, heißt es in einem Brief von Watch Indonesia! an die deutschen Abgeordneten des EU-Parlaments.

Anlass des Briefes ist die heute beginnende Entschließung der EU-Parlamentarier zu Biokraftstoffen vor der Novellierung der EU-Biodiesel-Richtlinie. Watch Indonesia! weist darauf hin, dass die Entscheidungen zur EU-Biodiesel-Richtlinie weitreichende Folgen für Indonesien haben werden. Für die Umwandlung großer Areale in monokulturelle Ölpalmplantagen werden schon jetzt immense Flächen an Regenwald zerstört – Tendenz rapide steigend. Dadurch verschwinden Tausende von Tier- und Pflanzenarten. Kahlschlag und Waldbrände – meist verursacht durch die Plantagenindustrie – erzeugen bis zu 30% der globalen Emission an Treibhausgasen. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist besonders hoch, wenn, wie in Indonesien, Torfwälder und meterdicke Torfschichten brennen - höher als mit dem Kyoto-Protokoll eingespart werden soll. Damit kann Biodiesel aus Palmöl sogar zur Erhöhung der Emissionen führen.

Für Millionen von Menschen in Indonesien bedeutet die weitere Vernichtung von Regenwald für die Anlage von gigantischen Plantagen den Verlust der Existenzgrundlage, Verarmung und Hunger. Gewaltsame Methoden wie Vertreibungen und Körperverletzungen sind häufig; allein aus Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, haben indonesische Menschenrechtsgruppen in den letzten fünf Jahren mehr als 500 Fälle von Gewalt und Folter dokumentiert.. Watch Indonesia! appelliert daher an die Abgeordneten mit den Worten der Betroffenen in Indonesien: „Löst eure Energieprobleme nicht auf unsere Kosten!“

Der Anteil an Biodiesel im Dieselkraftstoff soll mit der EU-Biodiesel-Richtlinie auf 5,75% gesteigert werden. Dies bedeutet eine vergleichsweise minimale Verschiebung im Spektrum unseres Energiekonsums. Wenn dann in wenigen Jahren andere Technologien das Palmöl als Biokraftstoff verdrängt haben werden, wird es jedoch keinen Regenwald mehr geben. Auf nachhaltige Produktion zu hoffen und dafür ein akzeptables Zertifizierungsmodell zu entwickeln, wie oft vorgeschlagen wird, verkennt die Realitäten: In einem System, dem Korruption und Rechtsunsicherheit immanent sind, fehlen dafür die Voraussetzungen; und angesichts des rasanten Kahlschlages fehlt dafür ferner die Zeit.

Ein möglicher Nutzen von Biodiesel aus indonesischem Palmöl steht in keinem Verhältnis zu den Folgenkosten für Mensch und Natur in Indonesien. Bezieht man klima- und zeitrelevante Faktoren der Biodieselproduktion in die Kalkulation ein, macht Biodiesel ökologisch keinen Sinn. Bedenkt man ferner die Menschenrechtsverletzungen und den Verlust an Biodiversität, kann die Antwort nur ein klares NEIN zu Biodiesel aus Indonesien sein.

Watch Indonesia! appelliert daher an die EU-Abgeordneten, sich dafür stark zu machen, dass die EU-Biodiesel-Richtlinie klar und eindeutig auf Energieträger aus tropischen Pflanzen verzichtet.


Sojaschrot mit Nachhaltigkeitszertifikat

Unsere Nutztiere fressen zu einem wesentlichen Teil importiertes Sojaschrot. Heute gehen wir der Frage nach, wie die Importeure gewisse Qualitätstandards bei der Sojaproduktion im Ausland sicherstellen wollen. (Gammarus)

Nachrichten.ch , rr, 14. Dezember 2006

Die fenaco, ein Unternehmen der Schweizer Bauern, hat in Zusammenarbeit mit WWF und Coop Schweiz Pionierarbeit geleistet und bietet heute unter der Marke «Proforest» Sojaschrot mit Nachhaltigkeitszertifikat an. Im Juni dieses Jahres ist die erste Lieferung im Basler-Rheinhafen eingetroffen. Bis 2009 sollen bereits 75 % des von fenaco importierten Sojaschrots die Kriterien von Proforest erfüllen. Die fenaco will sich mit GVO-freier (GVO: genetisch veränderte Organismen) und nachhaltig produziertem Soja im Markt behaupten. Daher unterstützt sie das vom WWF Schweiz und Coop vor zwei Jahren lancierte Projekt für einen nachhaltigen Soja-Anbau. Bekannt ist der Anforderungskatalog auch unter dem Begriff «Basler Kriterien».

Sojaschrot aus Brasilien streng kontrolliert

Parallel dazu hat die fenaco die Marke «Proforest» geschaffen. Sie gewährleistet die Identifikation von nachhaltig produziertem brasilianischem Sojaschrot im Schweizer Absatzmarkt. Es wird darauf geachtet, dass der Einsatz von «Proforest» bei den Mischfutterwerken und Tierhaltern keine technischen Schwierigkeiten oder höhere Produktionskosten verursacht. Entsprechend wird die fenaco alles daran setzen, den Mehrpreis für das nachhaltig produzierte Gut selber zu tragen. Die Schweizer Bauern können sich daher für ein besser verträglicheres Produkt ohne Mehrkosten entscheiden. Die Marke «Proforest» verlangt einen wirkungsvollen Schutz des Regenwaldes im Amazonas und Bestrebungen zum Erhalt der Bodenqualität und des Wasserhaushalts. Für die Feld- und Lagerarbeit verbietet sie Kinderarbeit und fordert einen kontrollierten Einsatz von Pestiziden. In regelmässigen Abständen folgt eine Kontrolle vor Ort.


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