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Neue Amazonas-Säugetierart

Der Schweinehund lebt

Eine Sensation: Niederländer entdeckte neue Säugetierart im Amazonasdschungel

Von Ulli Kulke, DIE WELT, 6.11.07

Nachrichten aus dem Dschungel Südamerikas klingen nur noch finster: Anhaltend verschwinden immense Teile von ihm, mal in der Fläche "von tausend Fußballfeldern", mal "des Saarlandes". Fast hat man den Eindruck, der Urwald sei komplett gerodet, abgebrannt.

Der Niederländer Marc van Roosmalen, in der Dschungelmetropole Manaus zu Hause, bringt andere Kunde. Der Biologe zeigt uns, dass der große Amazonaswald noch riesige unbekannte Gebiete umfasst. Er entdeckte eine in der Zivilisation unbekannte Art von Nabelschweinen. Auch noch die größte von ihnen, den Riesenpekari, Länge: 1,30 Meter, lange Beine wie ein Hund. 2002 hatte er ein Exemplar auf einem Grill im Dschungel als neue Art erkannt. Geschlachtet und aufgespießt von Caboclos-Indianern im unermesslichen Regenwald an den Flüssen Madeira und Aripuana. Später zimmerten ihm die Caboclos im Busch mehrere Plattformen, von denen aus er wiederholt Pekaris maximus beobachtete, die stets paarweise auftreten.

Langwierige Genanalysen und Taxierungen waren erforderlich, bevor jetzt amtlich ist: Das Riesenpekari ist eine eigene Art. Eine Veröffentlichung in der neuesten Ausgabe der "Bonner Zoologischen Beiträge" des Instituts Museum König gab die wissenschaftliche Weihe. Eine Sensation.

Im Gegensatz zu Insekten, von denen fast täglich neue Arten entdeckt werden, geschieht dies bei größeren Säugern äußerst selten. Schlagzeilen machte zuletzt in den 90er-Jahren eine Expedition, die gleich zwei neue Arten, einen Hirsch und ein Rind, aufspürte. Umso beachtlicher, dass Roosmalen selbst mehrere Treffer landete. Sein Zwergseidenäffchen Callicebus bernhardi, 1996 auch am Aripuana entdeckt, gilt sogar als eigene Gattung.

Sein jüngster Fund, eine Zwergseekuh aus dem Amazonas, harrt noch der wissenschaftlichen Anerkennung als Art - und er selbst der Wiederherstellung seiner Reputation. Roosmalen wurde im August in Brasilien zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, zum Entsetzen der Forschergemeinde. Der Vorwurf: Er habe illegal Affen gezüchtet und Genmaterial außer Landes geschafft. Bis zur Berufungsverhandlung bleibt er auf freiem Fuß.







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