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Aktuell

Urwaldzerstörung und Aufforstung in Indonesien

Mittwoch, 28. November, 08:13 Uhr

5 Tage vor der Weltklimakonferenz: Indonesien pflanzt vor Klimakonferenz 79 Millionen Bäume

Jakarta (AP) Indonesien will vor der Klimaschutzkonferenz auf Bali im kommenden Monat 79 Millionen Bäume pflanzen. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono erklärte, die Regierung des Landes mit der am schnellsten voranschreitenden Entwaldung weltweit wolle damit die Entschlossenheit «zum Schutz der Umwelt und Rettung des Planeten» zeigen. Beim Pflanzen von Setzlingen fügte er am Mittwoch hinzu: «Illegales Abholzen ist unser größter Feind.»

Jede Stunde werden in Indonesien Waldflächen von der Größe von 300 Fußballfeldern illegal abgeholzt. Sollte sich daran nichts ändern, seien künftige Generationen von Lebensmittel- und Wassermangel bedroht, erklärte Yudhoyono. Nach Regierungsangaben dürften beim Abschmelzen der Polkappen etliche der 17.000 Inseln Indonesiens überflutet werden. Umweltschutzorganisationen erklärten, das ehrgeizige Aufforstungs-Projekt sei zwar gut gemeint, ohne ein sofortiges Moratorium für Abholzung aber nahezu wirkungslos.


29. November, 2007

4 Tage vor der Weltklimakonferenz UN: Treibhausgas-Anstieg in Malaysia weltweit am höchsten

Kuala Lumpur (AP) Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase hat nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren nirgendwo so stark zugenommen wie in Malaysia. Die CO2-Emissionen des asiatischen Landes seien zwischen 1990 und 2004 um 221 Prozent gestiegen, erklärten die Vereinten Nationen am Donnerstag. Auf der Liste der größten Treibhausgas-Emittenten weltweit steht Malaysia damit an 26. Stelle. Die Regierung, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet hat, müsse über eine neue Klimapolitik nachdenken, erklärte der örtliche Vertreter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), Richard Leete. Mit 0,4 Prozent der Weltbevölkerung ist Malaysia für 0,6 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich.


29. November 2007

Die Umweltzerstörung in Indonesien

Frankfurt (AP) - Wenn die Unterhändler in diesen Tagen zum Weltklimagipfel nach Bali reisen, erwartet sie ein geschundenes Land. Das Touristenparadies selbst hat zwar nur unter den Folgen des Massentourismus zu leiden. In weiten Teilen der indonesischen Hauptinseln Sumatra, Java und Borneo jedoch schreitet die Zerstörung durch illegale Entwaldung und Trockenlegung der uralten Moorböden voran. Innerhalb kurzer Zeit wurde das aufstrebende Schwellenland so zu einem der größten Erzeuger klimafeindlicher Gase.

«Diese Umweltprobleme sind am Konferenzzentrum nicht zu sehen», sagt Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser. Doch die traumhaft schöne Umgebung auf Bali dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Inselstaat jährlich 2,6 Milliarden Tonnen CO2 entstünden - mehr als in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Drei Viertel dieser Emissionen schreibt die Umweltschutzorganisation der fortschreitenden Entwaldung zu. Als ein Ergebnis des Bali-Gipfels wünscht sich Greenpeace deshalb ein Entwaldungs-Moratorium.

Der illegale Holzeinschlag sei vor allem wegen der drastisch gestiegenen Nachfrage nach Palmöl attraktiv. Um Platz für Plantagen zu schaffen, werde etwa auf Sumatra pro Stunde eine Waldfläche größer als 300 Fußballfelder abgeholzt. «Hier muss die indonesische Regierung endlich ihre Hausaufgaben machen und gegen die illegale Abholzung vorgehen», verlangt Kaiser. Auch die Bundesregierung sei gefordert: «Sie muss die unsinnige Beimisch-Quote für Biosprit zurücknehmen.» Außerdem müssten der indonesischen Bevölkerung Alternativen zur Abholzung aufgezeigt und finanzielle und technische Unterstützung gewährt werden.

Laut Greenpeace ist der indonesische Urwald einer der wichtigsten CO2-Speicher der Welt. Die bis zu zehn Meter tiefen und bis zu 10.000 Jahre alten Moor-Torf-Böden speicherten mehr Kohlenstoff als andere Landökosysteme. Beim Plantagenbau jedoch würden der Torf ausgetrocknet und CO2 und große Mengen des noch wesentlich gefährlicheren Methans freigesetzt. Auch steige in der Region die Gefahr großflächiger Waldbrände: «Bei extremen Hitzeperioden braucht es schon heute nicht mehr viel, damit sich ganze Regionen in Rauch und Staub auflösen.»


S.O.S. aus Sumatra

Abgeholzte Regenwälder beschleunigen den Klimawandel: Christian Teriete von WWF International führte Vertreter großer Nachrichtenagenturen im November 2007 zum Tatort der Entwaldung auf die indonesische Insel

WWF-Reportage, 28.11.07

Donnerstag, 1. November, 11:17 Uhr:

Flughafen Jakarta, ich warte auf meinen Flug nach Pekanbaru und studiere Material über das Zielgebiet. Die indonesische Provinz Riau war einst in weiten Teilen von artenreichem Regenwald bedeckt, eine Schatztruhe des Lebens, Heimat von Tigern und Elefanten. Aber zwei Drittel des Waldes wurden bereits zerstört, illegaler Holzeinschlag und gewaltige Akazien- und Palmölplantagen sind die Ursachen. Es bleibt nur wenig Zeit, eine der letzten großen Regenwaldgebiete der Erde vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren. Auch die Wälder Sumatras beeinflussen das Klima, denn sie und vor allem auch die Torfböden, auf denen sie wachsen, speichern sehr viel Kohlenstoff.

Wenn der Abholzung aber kein baldiges Ende gesetzt wird, verwandelt sich dieser wichtige Kohlenstoffspeicher in eine gewaltige Quelle des gefährlichen Treibhausgases Kohlendioxid. Schon heute resultieren rund 20 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen weltweit aus der Abholzung von Wäldern rund um den Globus.

15:34 Uhr:

Endlich gelandet, brettern wir über eine staubige Piste nach Tesso Nilo, in einen der letzten wenigen großen und gesunden Wälder von Riau. Am Flughafen in Pekanbaru hat uns meine Kollegin Desma von WWF Indonesien abgeholt. Uns kommen viele Lastwagen entgegen, vollbeladen mit Baumstämmen oder Palmölfrüchten. Leere Trucks stehen herum, geparkt vor ärmlichen Holzhäusern. Links und rechts der Piste totes Land, komplett entwaldete Flächen, zum Teil mit Monokulturen aus Ölpalmen oder Akazien bepflanzt, ab und zu schlanke Rauchfahnen am Horizont.

16:12 Uhr:

Gerade haben wir an einer Fläche gehalten, die fast komplett unter Wasser stand, in Sumatra ist momentan Regenzeit. Hier stand einmal Torfsumpfregenwald, aber der wurde komplett vernichtet. Eigentlich sind diese viele Meter tiefen Torfböden die besten Kohlenstoff-Speicher der Welt. Aber aufgrund der Zerstörung verlieren sie ihre Speicherfähigkeit, geben Kohlendioxid frei und nehmen weniger Wasser auf. Deshalb auch die Überflutung der Flächen hier. Verkohlte Stümpfe und schwarze Stämme ragen vereinzelt aus der dunklen Brühe wie drohende Finger. „Feuer machen verboten! Achtung vor Waldbränden!“ steht auf einem Schild knapp über der Wasseroberfläche. Es ist ein Hohn.

17:48 Uhr:

Die Sonne geht gleich unter, wir müssen umdrehen. Tesso Nilos noch gesunde Wälder sehen wir nur am Horizont. Die Interviews der Journalisten mit Bauern am Straßenrand dauerten länger als geplant. Diese Menschen kommen aus anderen Ecken des Landes hierher, auf der Suche nach dem kleinen Glück. Sie lassen sich entlang der Straßen nieder. Mit denen erschließen große Holzfirmen die Waldgebiete, für die sie Einschlagskonzessionen besitzen. Die Korridore öffnen die Flächen und machen sie verwundbar, denn von ihren Rändern fressen sich legal und illegal operierende Firmen in den Wald. Auch die Bauern roden hier und da und beackern ein paar Hektar des Landes. Sie wissen durchaus, das ist illegal, wedeln aber mit dubiosen Papieren herum, die sie als Landbesitzer ausweisen sollen.

Freitag, 2. November, 8:24 Uhr:

Wir knattern mit einem alten Hubschrauber der indonesischen Luftwaffe über Sumatra und sehen heute von oben die Ausmaße der Waldzerstörung, die wir gestern an Land aus der Nähe in Augenschein nehmen konnten. Kurz hinter Pekanbaru fangen die Palmöl-Plantagen an, und die Dimensionen sind schier unglaublich. Unter uns erstrecken sich Ölpalmen, soweit das Auge reicht, wie ein endloser Ozean. Hier stand mal Urwald, und jetzt nehmen Monokulturen seinen Platz ein, deren Erträge als Rohstoffe in unseren Waschmitteln und Lebensmitteln enden. Auf anderen Flächen wird gerodet, um Papierfabriken zu füttern. Für Papier, das in unseren Büros und Bädern landet.

9:08 Uhr:

Immer noch in der Luft, jetzt über der Halbinsel Kampar. Hier gibt es das größte zusammenhängende Stück unberührten Regenwaldes von ganz Riau. Ich bin erleichert, hier gibt es noch gewaltige Dimensionen, heile Natur bis zum Horizont. Aber unterwegs sehen wir, wie der Regenwald verschwindet, gesunde Streifen neben geräumten Flächen, große Halden mit Holzstößen, dazwischen Kanäle und Straßen, zum Abtransport der geschlagenen Bäume. Der Wald scheint eingeteilt wie in mundgerechte Stücke eines Blechkuchens, die sich die Holz- und Palmölindustrie der Reihe nach einverleibt.

Der Wald von Kampar steht komplett auf Torfböden von mehr als drei Metern Tiefe. Laut indonesischem Gesetz sind solche Wälder geschützt. Trotzdem gibt es für Kampar 256 Einschlags-Konzessionen, ausgegeben von örtlichen Verwaltungsbehörden. Wie geht das?

15:19 Uhr:

Ich sitze mit den indonesischen Kollegen in einem Cafe in Pangkalan Kerinci. Gerade haben wir die Journalisten bei APRIL abgesetzt, neben APP eine der beiden großen Zellstoff- und Papierindustrien hier. Sie treffen den Direktor und den Umweltbeauftragten in der gewaltigen Mühle, die wir schon aus der Luft gesehen haben, ein Industriekomplex von beträchtlichen Ausmaßen. Wir vom WWF sind absichtlich nicht mitgegangen. Es gibt immer zwei Perspektiven, die Journalisten sollen auch die andere Seite hören. Zuletzt stand APRIL in Folge der ungewohnt scharfen Kontrollen der Regierung unter Druck, denn 189 Personen und knapp 20 Firmen werden verdächtigt, in illegale Machenschaften verwickelt zu sein, darunter mehrere Subunternehmen des Konzerns, der sich selbst so gerne ein umweltfreundliches Image gibt.

21:03 Uhr:

Wir nehmen die Journalisten wieder in Empfang. APRIL hat zwei Stunden überzogen und den Journalisten eine Tüte mit Werbegeschenken in die Hand gedrückt. Seit etwa 18 Uhr haben wir in der Nähe des Hauptquartiers des Unternehmens gewartet, das umgeben ist von einer kleinen Stadt aus hübschen Einfamilienhäusern und Läden und Einrichtungen für den täglichen Bedarf. Die Anlage ist von der Außenwelt abgeriegelt, hier wohnen rund 1.000 Mitarbeiter der Firma mit ihren Familien. Die Außenwelt wohnt in abbruchreifen Häusern oder provisorischen Holzbauten, und Pangkalan Kerinci macht nicht gerade den Eindruck eines florierenden Zentrums. Vom Roden des Regenwalds scheint nur eine Minderheit zu profitieren, höhere Lebensstandards der lokalen Bevölkerung können also kaum als Argument für Abholzung herhalten.

23:42 Uhr:

Langsam kriecht unsere Kolonne bei strömendem Regen durch die Nacht, immer wieder müssen die Fahrer den Schlaglöchern ausweichen, Blitze zucken über uns. Es sind noch knapp zwei Stunden bis Rengat und alle sind müde. Aber wir haben uns angeregt unterhalten, denn natürlich präsentierte sich APRIL zu „grün“. Unsere Journalisten haben sich zwar von dem Direktor beeindrucken lassen, aber sie sind nicht auf seine Übertreibungen und Ungenauigkeiten reingefallen. Er hat zum Beispiel von den Wachposten erzählt, die APRIL entlang des Ukui-Korridors aufgestellt habe, um die illegalen Holzfäller fernzuhalten. Der Ukui-Korridor ist die staubige Piste nach Tesso Nilo, auf der wir gestern mit den Journalisten herumfuhren. In knapp sieben Stunden auf der Piste haben wir keinen einzigen Wachposten gesehen. Im übrigen fällt der Holzfäller auch meist nicht für seinen eigenen Bedarf.

Samstag, 3. November, 10:07 Uhr:

Wir hocken auf einem klapprigen Kahn und fahren den Indragiri-Fluss hinauf, dicht an dicht in leuchtende Schwimmwesten gepackt, die Bordkante ist nur knapp über der Wasseroberfläche, der stinkende Dieselmotor macht einen Höllenlärm. Am Ruder sitzt Herr Musyid, der Dorfvorsteher von Kuala Cenaku, einem Dorf am Fluss in der Nähe von Rengat. Er will uns Land zeigen, das seiner Gemeinde gehört, etwa eine Stunde flussaufwärts. Es ist abgeholzt worden, obwohl seine Gemeinde dagegen protestiert hat. Niemand hat auf die Protestschreiben reagiert, weder die Provinzregierung in Riau, noch die Zentralregierung in Jakarta. Wieder vermisse ich den Regenwald, am Ufer nur gerodete Flächen, und noch mehr Plantagen. Ein paar einsame Äffchen hängen in der Uferböschung.

12:38 Uhr:

Willkommen an der Zerstörungsfront. Diese Landschaft hat tiefe Wunden davongetragen, wie nach einem Bombenangriff im Krieg. Stämme und Splitter bedecken den Boden, verkohlt, vertrocknet, verrottet. Auch in den Kanälen schwimmen Stämme, das Wasser zwischen dunkelrot und tiefschwarz durch die Ausspülung des Torfs gefärbt. Eine primitive Riesensäge steht unter einem notdürftigen Zeltdach. Bei unserer Ankunft haben die Bauern eilig ein paar Feuerchen gelöscht. In der Ferne der gesunde Regenwald, zwischen uns und dort die Großbagger, man hört Motorenlärm und Holzknacken. Herr Musyid gibt den Journalisten ein Interview. Auch ich habe vorhin in die Kameras gesprochen, vor dieser fürchterlichen Kulisse der Zerstörung.

16:04 Uhr:

Wir fahren von Rengat zurück nach Pekanbaru. Gerade erhielt der Korrespondent von AFP eine SMS aus seinem Büro in Jakarta. Offenbar hat die indonesische Zeitung Tempo bereits heute ein großes Photo von gerodeten Flächen auf der Titelseite, welches der Photograph von AFP gestern aus dem Helikopter schoss. Die Pressereise erfüllt also ihren Zweck, die Welt erfährt von den Vorgängen in Riau. Zusammen erreichen die vier teilnehmenden Nachrichtenagenturen über ihre Abnehmer in Funk, Fernsehen und Printmedien rund zwei Milliarden Menschen weltweit. So tragen wir hoffentlich unter anderem zu einem Erfolg der wichtigen Klimakonferenz in Bali im Dezember bei. Denn dort müssen sich Regierungen, Produzenten- wie auch Käuferregierungen, auf einen gemeinsamen Weg im Kampf gegen den Klimawandel einigen, und einem Ende der Abholzung der Regenwälder wird dabei eine wichtige Rolle zukommen. Darüber hinaus wird der WWF auch weiterhin mit der indonesischen Regierung und den Papierkonzernen darum ringen, so viel unberührten Regenwald wie möglich zu erhalten.

Sonntag, 4. November, 11:58 Uhr:

Im Büro des WWF in Pekanbaru, gerade hat der Forstexperte Jonotoro den Journalisten nochmal genau erklärt, wie der Regenwald vernichtet wird, welche Rolle Kanäle spielen, was chemisch in den Torfböden passiert. Jetzt präsentiert ein junger Mann namens Susanto vom Netzwerk der lokalen Umweltgruppen eine Strategie zum Schutz des kostbaren Waldes von Kampar. Die Pressereise endet, offene Fragen sind beantwortet, dann reisen alle ab.

Ich kann mich kaum auf die Vorträge konzentrieren, muss an den kleinen Jungen denken, der gestern nackt am Ufer herumkasperte, um dann mit langem Anlauf und lautem Platsch direkt neben unserem Boot ins Wasser zu springen. Hier ist die Welt noch in Ordnung? Nein, das ist sie auf gar keinen Fall. Aber ich glaube fest daran, dass wir etwas verändern können. Diese Pressereise war ein wichtiger Schritt.

Epilog: Ist Tesso Nilo noch zu retten?

Trotz der dramatischen Situation ist es für eine Rettung noch nicht zu spät. Es gibt viel versprechende Verhandlungen mit Regierung und Unternehmen, die Zerstörung zu stoppen und den Tesso Nilo-Nationalpark zu erweitern und andere Schutzgebiete zu erhalten und zu vergrößern. Als nächstes werden wir die Plantagenfirmen in die Verantwortung nehmen und den Kampf gegen das illegale Bäumefällen ausweiten – dabei wollen wir die indonesischen Kollegen von Deutschland aus unterstützen.

Der WWF konnte inzwischen erreichen, dass ein Teil des Tesso Nilo-Regenwaldes zum Nationalpark erklärt wurde. Die übrige Fläche dieses Waldes konnte im Wesentlichen verteidigt werden, und der WWF arbeitet mit Nachdruck daran, dass der neue Nationalpark erweitert wird.

Der WWF verhandelt außerdem intensiv mit einer der großen Papierfabriken, dass sie sich bereit erklärt, Wälder mit besonderem Schutzwert nicht kahlzuschlagen und auch nicht in Plantagen umzuwandeln.

Diese Verhandlungen sind sehr schwierig und daher langwierig. Doch nach Ansicht des WWF sind sie die einzige Chance, die Sägen in Tesso Nilo auch praktisch zu stoppen. Dabei helfen uns vor allem unsere Arbeiten zum Tiger: die Tiger-Patrouillen wie auch die Infrarotkameras, mit denen wir das Vorkommen der Tiger erfassen. Denn ein Tigerfoto ist wie ein Trumpf beim Kartenspielen.

Aber auch die Käufer von Zellstoff- und Papier müssen umdenken und nur noch Produkte aus nachhaltigen Quellen beziehen; dabei können sie sich nur auf das FSC-Garantiezeichen verlassen. Denn auch wir dürfen nicht Papierprodukte aus Waldzerstörung verwenden.


Ein Dschungel voller Hoffnungen

Um ein letztes Stück Urwald auf Sumatra zu bewahren, haben Vogelschützer es gekauft. Doch Landbesetzer gefährden das Projekt.

Von Beate Kittl, Süddeutsche Zeitung, 26.11.07

In Sumatras Regenwald dampft die Erde. Zwar herrscht Trockenzeit - in Deutschland ist Herbst - doch die Feuchtigkeit ist fast mit Händen zu greifen. Hornvögel flattern mit ihren bizarren Schnabel-Höckern durch die Kronen der letzten großen Urwaldbäume. Im Schlamm hat ein Tiger seine Pfotenspur hinterlassen, in der Ferne rufen Gibbons.

Sumatras Tieflandregenwälder sind die artenreichsten der Welt. Doch der Lebensraum, den sie ihren Bewohnern bieten, schrumpft rasant. Nirgendwo wird der Dschungel schneller abgeholzt als in Indonesien. Rund 28000 Quadratkilometer fallen in dem Inselstaat mit seinen 225 Millionen Einwohnern jedes Jahr den Motorsägen zum Opfer - das entspricht der Fläche der bayerischen Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern zusammen. Auf Sumatra ist nur noch ein Sechstel des ursprünglichen Regenwaldes unberührt.

Um ein letztes Stück Urwald zu bewahren, haben nun Vogelschützer einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Sie haben eine aktiv bewirtschaftete Holzschlag-Konzession gekauft. Ihr Plan ist, dort 100 Jahre lang keine Bäume mehr zu fällen, sondern sie zu alter Pracht heranwachsen zu lassen. Die staatliche Holzfirma Asialog hat das Gebiet 2006 aufgegeben; ein Konsortium von Vogelschützern um die indonesische Organisation Burung und Birdlife International hat es 2007 übernommen. Ohne diese Initiative wäre der Wald in Palmölplantagen umgewandelt worden.

260 Vogelarten, davon 42 bedroht

Das Gebiet, 1000 Quadratkilometer oder doppelt so groß wie der Bodensee, birgt die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten Sumatras. Vogelkundler haben dort 260 Vogelarten gefunden, darunter 42 bedrohte wie Dschungeladler, Kleine Adjutanten und Höckerstörche. Durchs Dickicht streifen rund 20 Sumatra-Tiger, ein Trupp Elefanten, Malaienbären, Tapire und die erst kürzlich als eigene Art identifizierten Nebelparder. "Das Gebiet ist groß genug, dass sie alle überleben könnten", sagt Yusup Cahyadin, Leiter der eigens gegründeten "Stiftung zum Schutz Indonesiens Wälder". Die Waldschützer haben dem Gebiet den Namen "Harapan Rainforest" gegeben - der Name bedeutet Hoffnung.

Doch mit einfachem Nichtstun lässt sich die Natur in Indonesien nicht bewahren. Das südliche Drittel des Areals sei bereits "verwüstet" und müsse aufgeforstet werden, sagt Projektmanager Sean Marron. Er war viele Jahre Manager auf einer benachbarten Ölpalmplantage. "Die Harapan-Initiative ist wirklich bahnbrechend", sagt er.

Weltweit gibt es erst eine Handvoll von Konzessionen zur Restaurierung von Regenwald. Die Regierungen von Peru und Sierra Leone haben Naturschützern ähnliche Lizenzen erteilt; andere Länder haben zwar die Gesetze, aber keine Projekte vorzuweisen. Ein wenig anders geht die US-Umweltorganisation Conservation International vor: Sie bietet Holzfirmen Geld an, damit sie auf den Holzschlag verzichten. Damit ist das Gebiet zwar gerettet, aber nicht aufgeforstet.

Allgegenwärtige Spuren der Baumdiebe

Daran muss aber auch das Harapan-Projekt noch arbeiten. Im August hat es nach jahrelangen Vorbereitungen - darunter eine Gesetzesänderung - die Arbeit aufgenommen. Das jährliche Budget von knapp 500.000 Euro kommt aus einem Stiftungsfonds. Die dringendste Aufgabe von Marron und seinen Mitarbeitern ist es nun, die Kontrolle über ihr Gebiet zu übernehmen und den Motorsägen Einhalt zu gebieten.

Schon Asialog hatte unter illegalem Holzeinschlag gelitten. Die Spuren der Baumdiebe sind allgegenwärtig: Sauber gestapelt liegt Holz am Straßenrand, zitronengelbe Lastwagen quälen sich durch Schlaglöcher, um es abzutransportieren. Zudem haben sich im Nordosten des Konzessionsgebiets einige hundert illegale Siedler eingerichtet: Sie haben hektarweise den Wald abgefackelt, und kleine, solide Holzhäuser gebaut.

Diese Landbesetzer sind keine armen Schlucker, die von der Hand in den Mund leben. Satellitenschüsseln stehen vor vielen der blumengeschmückten Buden, ein Junge schlittert auf einem neuen Motorrad zur Schule. Ein noch unbewohntes Dorf im Konzessionsgebiet wirkt wie auf dem Reißbrett entworfen: Ordentliche Hütten, eine halb fertige Schule, eine Moschee. "Diese Leute sind erstaunlich gut organisiert", sagt Marron. "Da steckt jemand dahinter, der relativ viel Geld investieren kann."

Sobald Asialog sich aus dem Gebiet zurückzog, hatte es sich offenbar herumgesprochen, dass auf Sumatra Land zu haben sei. Nun werden Neuankömmlinge aus Java und Westsumatra von Männern wie Pak Pairin empfangen, der ein großes, doppelstöckiges Haus besitzt.

Rund 250 Euro bezahlen ihm Siedler für zwei Hektar Land, das ihm nicht gehört. Er finanziert drei Jahre lang den kompletten Lebensunterhalt der Bauern, und bekommt dafür im Tausch einen Teil ihrer künftigen Ölfrucht-Ernte.

Werden die Landbesetzer rausgeworfen, löst sich Pairins Investition in Nichts auf. Kein Wunder daher, dass Mittelmänner wie er die Polizei und lokale Beamte schmieren, bei denen die wahre Macht liegt. "Die Bezirksvorsteher sind es, die an den illegalen Siedlern verdienen", sagt der Stiftungsvorstand Yusup. "Es würde genügen, einen oder zwei der Drahtzieher festzunehmen, um die anderen abzuschrecken."

Wo staatlicher Zwang versagt, können und wollen die Projektmitarbeiter keine eigene Schutztruppe anheuern. Die Sicherheit von Tigern und Tapiren versuchen seit Mai zwar junge Männer auf Motorrädern zu gewährleisten. Sie patrouillieren entlang der Gebietsgrenzen, um weitere Eindringlinge abzuhalten. Ranger aber kann man die Jungen, die nur mit Funkgeräten und knallroten T-Shirts mit dem Logo des Forstministeriums ausgerüstet sind, kaum nennen. "Zum Glück ist es bis jetzt nie zu Gewalt gekommen", sagt Musadat, Chef der Ostpatrouille. Stolz berichtet er von fünf konfiszierten Motorsägen.

Alternativen für die Siedler

Bessere Erfolge versprechen sich die Umweltschützer davon, den Siedlern Alternativen zu bieten: Sie sollen auf bereits legal oder illegal gerodetes Land anderswo in der Provinz umziehen. Und die Projektmitarbeiter versuchen, den Kleinbauern produktivere Anbaumethoden für ihre Gummi- und Ölpalmplantagen beizubringen: "Sie öffnen neuen Wald, statt das gerodete Land optimal zu nutzen", sagt Urip Wiharjo, Forstingenieur bei der Stiftung für den Regenwald.

"Das ist eigentlich eine soziale Entscheidung: Sollen diese Menschen hier illegal ihre Chance bekommen oder sollen wir die Gesetze durchsetzen?", sagt Marron. "Die wahre Lösung wäre es, 40 Millionen Jobs in Indonesien zu schaffen." Stattdessen muss er versuchen, die Belange der Umwelt und der armen Landbewohner zu versöhnen.

Landbewohner wie Pak Anto aus dem Dorf Tanjung Mandiri. Er ist mit seiner Machete auf den Weg in den Wald, um Feuerholz zu schlagen. Als Reisbauer in Java konnte er die rasant steigenden Preise für Reis, Speiseöl und Benzin nicht mehr bezahlen. Er verlangt wenig genug: "Es ist unsere Hoffnung, hier ein gutes Leben führen zu können."







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