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Aktuell

Klimawende in Australien (erweitert)

Donnerstag, 29. November, 05:16 Uhr

Ex-Rockstar Garrett wird neuer Umweltminister in Australien

Canberra (AP) Knapp eine Woche nach der Parlamentswahl in Australien hat der designierte Ministerpräsident Kevin Rudd von den Sozialdemokraten am Donnerstag seine Kabinettliste vorgelegt. Als Umweltminister berief er den früheren Rockstar Peter Garrett, der bereits seit einem Jahr umweltpolitischer Sprecher der Arbeitspartei (ALP) ist.

In der neuen Regierung wird es außerdem erstmals ein Ministerium geben, das sich besonders mit dem Klimaschutz befasst. Geleitet werden soll das Ministerium von der Politikerin Penny Wong. Rudd hatte bereits am Sonntag auf einer Pressekonferenz eine radikale Kehrtwende in der Klimapolitik angekündigt. So will er das von der bisherigen Regierung des Ministerpräsidenten John Howard abgelehnte Kyoto-Protokoll für den Klimaschutz unterzeichnen.

Als Außenminister benannte Rudd den außerhalb Australiens weitgehend unbekannten Anwalt Stephen Smith. Das Amt des stellvertretenden Regierungschefs wird erstmals mit einer Frau besetzt: Rudd berief Julia Gillard auf diesen Posten. Die neue Regierung soll am kommenden Montag vereidigt werden.

Die Wähler hatten sich bei der Parlamentswahl am Samstag nach elf Jahren konservativer Regierung für einen Neuanfang entschieden und das Mitte-rechts-Bündnis von Howard abgewählt. Zum Nachfolger Howards als Chef der Liberalen Partei wurde am Donnerstag der frühere Verteidigungsminister Brendan Nelson gewählt.


(Waldportal: Peter Garrett war von 1993 bis 1995 im Vorstand von Greenpeace International. Mit seiner ehemaligen Band "Midnight Oil" setzte er sich in dem Song "Beds are Burning" für die Landrechte der Aborigines ein.)


Rockstar wird Umweltminister

Australiens neuer Premier beruft Peter Garrett

Süddeutsche Zeitung, 30.11.07

München - Auf dem Videoclip des Welthits "Beds are burning" geht die Sonne unter. Peter Garrett und seine Kollegen der Band Midnight Oil brausen im Jeep durch die Wüste Australiens, und die wichtigsten Worte, die Glatzkopf Garrett singt, sind die: "It belongs to them, let"s give it back." Gemeint ist: Das Outback gehört den Aborigines, geben wir es ihnen zurück. Garrett und seine Band werfen dem Staat vor, den Ureinwohnern das Land gestohlen zu haben. Die australische Gruppe Midnight Oil befasste sich auf ihren 16 Alben mit drei großen Themen: den Rechten der Ureinwohner, der Gegnerschaft zu den USA - und dem Umweltschutz. Seit diesem Donnerstag ist Garrett, früher Frontmann der Band, australischer Umweltminister.

Am vergangenen Samstag gewann die Labor-Partei die Parlamentswahl, Kevin Rudd löste den Konservativen John Howard als Regierungschef ab. Nun gab Rudd sein Kabinett bekannt: Der Jurist Stephen Smith, der in den neunziger Jahren als Berater des Labor-Premiers Paul Keating arbeitete, wird Außenminister, Rudds Schulfreund Wayne Swan übernimmt das Finanzressort, Peter Garrett wird Minister für Umwelt, Kulturerbe und Kunst. Ein wichtiges Gebiet gliederte Rudd allerdings aus Garrets Ministerium aus: Für den Klimawandel und das Wassermanagement in dem von Dürre geplagten Land ernannte er eine eigene Ministerin, Penny Wong. Wong ist das erste Kabinettsmitglied des Landes, das in Asien geboren wurde. Rudd will mit Wong und Garret in der übernächsten Woche zur Weltklimakonferenz nach Bali reisen. Rudd kündigte an, das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zu unterzeichnen, was Vorgänger Howard verweigert hatte.

Peter Garrett war von 1973 bis zur Auflösung der Band im Jahr 2002 Leadsänger von Midnight Oil. Von 1993 bis 1995 war der heute 54-Jährige Vorstands-Mitglied bei Greenpeace, zudem leitete er acht Jahre lang die Umweltorganisation Australian Conservation Foundation. Im Oktober 2004 zog er für die Labor-Partei ins Parlament ein. Inzwischen trägt er öfter Anzug als Cowboyhut, aber auf dem Dach seines Autos sieht man angeblich immer noch sein legendäres Surfbrett.

Kevin Rudd musste seinen Umweltschützer im Wahlkampf einmal bremsen: Rudd war mit dem Schröderschen Slogan angetreten, er wolle nicht alles anders, aber vieles besser machen. Da störte es ihn, dass Garrett hinausposaunte, eine Labor-Regierung wolle "in allem" mit der Politik der Konservativen brechen. Ohnehin hat der Rockstar einige radikale Positionen zugunsten von sogenannter Realpolitik aufgegeben: Gegen US-Soldaten auf australischen Stützpunkten hat er ebenso wenig einzuwenden wie gegen eine große Papierfabrik in der ökologisch wertvollen Glockenbucht in Tasmanien, was Fischer, Winzer und Muschelzüchter verärgert. In diesem Jahr sprach er sich für die Verschiffung von mehr als 15 000 Tonnen hochgiftigen Sondermülls nach Deutschland aus, der dort in speziellen Verbrennungsöfen landete. "Ich sehe ein, dass es die einzige sichere Entsorgung ist", sagte der Vater von drei Kindern. Gerhard Fischer







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