AktuellTeufelskreis am Amazonas
Donnerstag, 6. Dezember, 12:58 Uhr WWF: Klimawandel könnte bis 2030 55 Prozent des Amazonas zerstörenBali (AP) Die Auswirkungen der anhaltenden Abholzungen und der globalen Klimaerwärmung könnten bis 2030 zur Zerstörung von etwa 55 Prozent des Regenwalds im Amazonas-Gebiet führen. Das besagt eine am Donnerstag anlässlich der UN-Klimakonferenz in Bali veröffentlichte Studie der Umweltorganisation WWF. Wenn der tropische Regenwald in dem Maß zurückgehe, sei mit einer noch schnelleren Erwärmung der Erdatmosphäre zu rechnen. Dies werde katastrophale Folgen haben, warnte der World Wildlife Fund (WWF).«Die Bedeutung des Amazonas für das Weltklima sollte nicht unterschätzt werden», sagte der Autor der WWF-Studie, Daniel Nepstad. Demzufolge ist der Regenwald nicht nur für die Kühlung der Atmosphäre entscheidend, sondern auch als Speicher von Kohlendioxid und als gigantische Süßwasserreserve. Der Amazonas bedeckt mit über vier Millionen Quadratkilometern mehr als 60 Prozent der Fläche Brasiliens. Etwa ein Drittel der gesamten Pflanzen- und Tierarten der Welt sind dort beheimatet, viele sind vermutlich noch unentdeckt. Durch die anhaltende Abholzung weiter Teile des Regenwaldes könnten der Studie zufolge bis 2030 zwischen 56 und 97 Milliarden Tonnen an zusätzlichem Kohlendioxid (CO2) freigesetzt werden - das entspräche etwa dem aktuellen Gesamtausstoß von zwei Jahren. Klima-Experten gehen davon aus, dass sich der globale Temperaturanstieg durch eine weitere Zerstörung des Amazonas noch zuspitzen würde, möglicherweise um bis zu zwei Grad Celsius. Damit würden wahrscheinliche Folgen, wie Fluten und ein Anstieg des Meeresspiegels noch drastischer ausfallen. Ein Mitglied der brasilianischen Delegation auf der UN-Klimakonferenz, Milton Nogueira, reagierte zurückhaltend auf den Bericht. Angesichts der Größe und Komplexität des Amazonas sollten solche Prognosen mit Vorsicht genossen werden, sagte er. Auf Bali beraten Wissenschaftler und Delegationen von rund 190 Staaten bis zum 14. Dezember über ein neues Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012. Ziel der Konferenz ist ein Fahrplan für das neue Abkommen, das bis 2009 unterzeichnet werden soll. 6. Dezember 2007 - 09:01 Regenwald-Zerstörung hat drastischere Folgen als erwartetNusa Dua (SDA-ATS) - Die rasante Zerstörung des Regenwalds am Amazonas hat dramatische Folgen für das Weltklima. Waldzerstörung und Klimawandel beschleunigen sich nach einer neuen Studie des WWF gegenseitig und verursachen einen gefährlichen Teufelskreis.Wenn nichts getan werde, könne einer der wichtigsten Stabilisatoren des Weltklimas bis 2030 zu 55 Prozent zerstört sein, warnte der WWF in einem Bericht, den er bei der Weltklimakonferenz auf Bali vorstellte. Das habe Konsequenzen für den Niederschlag in tausenden Kilometern Entfernung. "Die Rolle der Amazonaswälder für das Weltklima darf nicht unterschätzt werden," sagte der Autor der Studie, Dan Nepstad. Viehrancher im Amazonasgebiet brennen den Wald ab, um Weideplätze zu schaffen. Weil die Temperaturen durch den Klimawandel gestiegen sind, sind die Wälder gemäss dem Bericht aber trockener als früher und die Brände geraten immer öfter ausser Kontrolle. Damit setze sich der Teufelskreis in Gang. Der Wald verwandelt Sonnenenergie durch Verdunstung in Wasserdampf, der in Form von Wolken den Wasserkreislauf versorgt. Weniger Bäume bedeuten weniger Regen, was den Restbestand weiter austrocknet und noch anfälliger für Waldbrände macht. Zudem entspricht das Wasser, das aus diesen Wäldern über den Amazonas in den Atlantik fliesst, nach WWF-Angaben 15 bis 20 Prozent des weltweiten Süsswasserabflusses. Wenn diese Quelle versiege, könne das auch Auswirkungen auf die Meeresströmungen haben, warnt der WWF. Durch die Zerstörung von 55 Prozent des Waldes würden bis 2030 bis zu knapp 100 Milliarden Tonnen klimaschädigendes CO2 freigesetzt. Das ist so viel, wie die gesamte Welt in zwei Jahren an Treibhausgasen produziert. Teufelskreis am AmazonasWWF: Waldzerstörung und Klimawandel verstärken sich gegenseitigWWF Pressemitteilung, 6.12.07 Berlin - Der Regenwald am Amazonas ist eine Schlüsselregion, in der sich die klimatische Zukunft des Planeten entscheidet. Dies zeigt eine jetzt vom WWF vorgelegte Studie. Darin werden die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Waldzerstörung analysiert. Gelingt es nicht, die Waldzerstörung deutlich einzudämmen, werden sich Klimawandel und Waldsterben weiter gegenseitig aufschaukeln. Schon jetzt fallen enorme Gebiete dem wachsenden Viehbestand und der Ausweitung von landwirtschaftlichen Flächen zum Opfer. Bislang ging man davon aus, dass bei einem anhaltenden Trend damit gerechnet werden muss, dass bis 2050 die Hälfte des Waldes den Kettensägen zum Opfer fallen wird. Die WWF-Studie zeigt, dass der Klimawandel die Vernichtung des Waldes noch einmal beschleunigt. Wenn es nicht gelingt, dem Kahlschlag und der globalen Erwärmung wirksam zu begegnen, werden schon bis 2030 rund 55 Prozent des größten Regenwaldgebietes der Erde Feuer, Dürre und Holzeinschlag zum Opfer fallen. Tritt das Szenario ein, würde dies im selben Zeitraum zu einem Kohlendioxidausstoß von 55 bis 97 Milliarden Tonnen führen. „Das entspricht dem weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid von etwa zwei Jahren“, rechnet Michael Evers, Leiter des Fachbereichs Wald beim WWF Deutschland, vor. Er betont: „Der Klimawandel ist ein weiteres starkes Argument die Kettensägen am Amazonas so schnell wie möglich zu stoppen.“ Die WWF-Studie zeigt, dass die Waldzerstörung einerseits den Treibhauseffekt anheizt, und die globale Erwärmung andererseits die Vernichtung des Regenwaldes noch einmal beschleunigt. „Es ist ein Teufelskreis“, so Guénola Kahlert vom WWF Deutschland. Das Abfackeln der Bäume und damit die Freisetzung des im Holz gebundenen Kohlendioxids stellt nicht das alleinige Problem dar. Der Wald wirkt wie eine riesige Klimaanlage. Er verwandelt Sonnenenergie durch Verdunstung in Wasserdampf. Die dadurch entstehenden Wolken versorgen den Wasserkreislauf des Regenwaldes und haben gleichzeitig einen kühlenden Effekt auf das Klima. Fällt dieser Kühlungseffekt weg, so steigen die Temperaturen, die Pflanzen trocknen aus und der verbliebene Wald wird noch leichter zu einem Opfer der Flammen. Schon jetzt ist davon auszugehen, dass die Regenfälle insbesondere im östlichen Regenwaldblock des Amazonas bis zum Ende des Jahrhunderts um 20 Prozent zurückgehen. Der WWF befürchtet, dass die regionalen Temperaturen dadurch um mindestens zwei Grad steigen. Andere Szenarien gehen sogar von einer Erwärmung von bis zu acht Grad Celsius aus. Die zunehmende Trockenheit wirft weitere Probleme auf. Das Wasser, das aus diesen Wäldern über den Amazonas in den Atlantik fließt, entspricht 15–20 Prozent des weltweiten Süßwasserabflusses. Wenn diese Quelle versiegt, könnte das erhebliche Auswirkungen auf die großen Meeresströmungen und damit auf das Weltklima haben. Der WWF fordert eine Doppelstrategie, um den Waldverlust zu stoppen. Zum einen müssen die Amazonas-Staaten weitere Schutzgebiete ausweisen. Die Viehwirtschaft dürfe nicht weiter zu Lasten der Wälder ausgeweitet und auf zerstörerische Infrastrukturprojekte müsse verzichtet werden. Dabei sollte sie die internationale Staatengemeinschaft finanziell unterstützen. Gleichzeitig müssen die Industrieländer beim Klimaschutz vorangehen sowie ein Nachfolgeabkommen für die Zeit nach 2012 auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls vorantreiben. Wichtig sei, dass darin der Erhalt von Wäldern als Beitrag zum Klimaschutz anerkannt werde. Weltklima kaufenDer Deal mit RegenwäldernVon Christiane Oelrich, dpa, Donnerstag, 6. Dezember 2007 Es ist ein einmaliges Angebot, das der Präsident von Guyana Großbritannien da auf dem Präsentierteller bietet: einen ganzen Regenwald, so groß wie England. Die Guyaner versprechen, den Wald zu pflegen, die Bäume nicht abzuholzen und wollen im Gegenzug von den ehemaligen Kolonialherren in London Entwicklungsgelder. Das ist ein Deal, der Großbritannien auf einen Schlag für ein Jahr emissionsneutral machen würde - der Regenwald von Iwokrama speichert so viel Kohlenstoff, wie Großbritannien in Form von Kohlendioxid jährlich produziert. Den Regenwaldnationen ist es ernst mit solchen Vorschlägen. Sie wollen bei der Weltklimakonferenz in Nusa Dua auf Bali durchsetzen, dass der Schutz der Wälder, die als enorme Kohlenstoffspeicher dienen und das Weltklima regulieren helfen, im nächsten Klimaschutzvertrag als Beitrag zum Klimaschutz anerkannt und vor allem finanziell vergütet wird. "Wir wollen keine Almosen", sagte Guyanas Präsident Bharrat Jagdeo im BBC-Rundfunk. "Es ist ein Geschäft." Die Regenwälder umfassen zwar nur sieben Prozent der Landfläche der Erde, enthalten aber Unmengen an Kohlenstoff, der beim Verbrennen oder Verrotten als Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre gelangt. Sie ziehen sich wie ein "Kühlgürtel" um den Äquator, von Südamerika über Zentralafrika bis nach Südostasien, und beheimaten fast die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten. Die ganze Welt ist darauf angewiesen. Kahlschlag wegen Bodenschätzen, Weideland oder Plantagen In Guyana wächst der Druck, die gut 20 Millionen Hektar Wald kommerziell auszuschlachten. Das Holz ist wertvoll, und im Boden wird Gold vermutet. In Brasilien suchen immer mehr Viehfarmer ein Auskommen, in dem sie Regenwaldgebiete abholzen und in Weide verwandeln. In Indonesien werden die Wälder vor allem abgeschlagen, um Platz für Palmölplantagen zu machen. Der Biodieselboom in Europa mit der inzwischen umstrittenen EU-Direktive, den Anteil der Agrartreibstoffe bis 2020 auf zehn Prozent zu steigern, heizt die Zerstörung der Regenwälder an. "Waldschutz ist der wirksamste und preiswerteste Klimaschutz", sagt die deutsche Umweltorganisation "Rettet den Regenwald". "Die Festlegung von Biosprit-Anteilen im Diesel führt zu Regenwaldvernichtung pur." Schätzungen zufolge werden jedes Jahr rund 14 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt. "Wir schätzen, dass jedes Jahr 14 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt werden", sagt Celia Harvey von der Umweltorganisation "Conservation International" auf Bali. Die dadurch entstehenden Emissionen machen etwa 20 Prozent der gesamten weltweiten Treibhausgase aus - so viel wie die USA als weltgrößter Verschmutzer produzieren und mehr als der gesamte Auto- und Flugverkehr zusammen. Wenn in die Klimabilanz eingerechnet wird, wie viel CO2 durch das Abholzen in die Atmosphäre gelangt, gehören Brasilien und Indonesien zu den vier größten Treibhausgaserzeugern der Welt. Abholzung stoppen durch Kompensationszahlungen Die Zerstörung kann laut Harvey nur mit Kompensationszahlungen gestoppt werden, "die erstens die Kosten für die Bestandsaufnahme der Flächen abdecken, zweitens den Einnahmeausfall aus der dann verhinderten Abholzung und Plantagenpflanzung und drittens das Forstmanagement mit Zäunen und Wachen, die illegale Holzfäller abhalten". Den Preis dafür festzulegen ist hochkompliziert. Zudem fürchten zum Beispiel die Brasilianer, die am Amazonas einen Teil des größten zusammenhängenden Regenwaldgebietes der Erde haben, dass ihnen plötzlich jemand vorschreiben will, was mit dem Wald zu geschehen hat. Im Kongo-Becken in Afrika fehlt es nach Bürgerkriegen und Machtvakuum an verlässlichen Partnern, die den Waldschutz auch garantieren können. In dem riesigen Inselreich Indonesien kümmert sich manche Provinzbehörde wenig um die Abholzverbote, die die Zentralregierung ausspricht, wenn eine Firma eine Lizenz zum Abholzen oder Plantagenbau will und der Schmiergeldpreis stimmt. "Es ist eine Menge Aufklärung nötig, und es muss klar sein, dass mit dem Geld Verpflichtungen verbunden sind", sagt Harvey. » zurück |
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