|
Aktuell
Update Paraguay-Entwaldung (mit AKTION)
Unkontaktierte Indianer auf der ‚Flucht vor Waldzerstörung’ gesichtet
Survival International Pressemitteilung, 14.11.08
Die letzten unkontaktierten Indianer Südamerikas außerhalb des Amazonasbeckens wurden dabei beobachtet, wie sie offenbar vor der rapiden Zerstörung ihres Lebensraums, des Waldes, flohen.
Der Wald, in dem diese Indianer leben, wird mittlerweile wesentlich schneller zerstört als der Wald im Amazonas. Das Gebiet wird illegal planiert, um offenes Land für die Viehzucht zu schaffen. Die Indianer sind Mitglieder der Ayoreo-Totobiegosode, die in den dichten Wäldern Paraguays leben.
„Es ist wahrscheinlich, dass die Anwesenheit der Planierraupen auf ihrem Land die Indianer dazu zwingt, in andere Gebiete, östlich der abgeholzten Zone auszuweichen“, sagte Jorge Vera von GAT, einer lokalen Hilfsorganisation, die die Indianer unterstützt.
Die Totobiegosode haben alleine in diesem Jahr 6000 Hektar ihres Landes an Unternehmen verloren, die Weideland für die Viehzucht brauchten. Seit Mai 2008 hat sich die Größe des Gebiets, das zerstört wurde, fast verdreifacht. Beide Unternehmen, die das Land der Totobiegosode zerstören, sind brasilianisch: Yaguarete Porá SA und River Plate SA. Neben den erschreckenden Auswirkungen der Zerstörung ihres Zuhauses durch Bulldozer könnte jeder Kontakt zwischen Arbeitern und den Totobiegosode schnell zu Todesfällen auf beiden Seiten enden. Viele Ayoreo sind bereits bei früheren Zusammentreffen gestorben.
Die Totobiegosode wurden zweimal von anderen Indianern gesehen: einmal eine Gruppe von acht oder neun Männern und eine kleinere Gruppe wenige Tage zuvor.
Esoi, ein Angehöriger der Totobiegosode, der 2004 kontaktiert wurde und Angehörige unter den unkontaktierten Indianern hat, sagte: „Ich appelliere an die Behörde, die Zerstörung unseres Waldes zu stoppen. Meine Familie ist jetzt dort. Dort sind auch unsere Häuser. Wir verlieren unseren Wald.“
Ein Team der paraguayanischen Regierung versuchte erst kürzlich das Gebiet zu besichtigen, wo Yaguarete Porá arbeitet. Das Unternehmen versperrte ihnen jedoch den Zutritt. Dies rief in Paraguay großflächige Empörung und Verurteilungen hervor.
Der Direktor von Survival International, Stephen Corry, sagte hierzu gestern: „Die Totobiegosode verlieren ihr Land wesentlich schneller als die Rodung im gesamten Amazonasgebiet fortschreitet. Falls dies so weitergeht, werden sie möglicherweise aussterben. Paraguays neuer Präsident Lugo muss schnell handeln, um sicherzustellen, dass die illegale Zerstörung des Waldes der Totosobiegode durch diese brasilianischen Unternehmen sofort aufhört.“
Soyaanbau bedroht Wälder und Menschen in Paraguay
Bauern Kamp and Protest in Paraguay Bauern Kamp and Protest in Paraguay
"Rettet den Regenwald" e.V., 16.11.08
Ein Journalist, der das Land im Jahr 2007 besuchte, beschreibt den Einfluss der Sojamonokulturen wie folgt: „Das ländliche Ostparaguay war ursprünglich ein Waldgebiet, besiedelt von ländlichen Gemeinschaften mit Schulen und reich an vielfältigen Ökosystemen. Heute ist es eine grüne Sojawüste. Die Familien, die Bäume und die Vögel sind verschwunden. Die Schulen sind leer. Die Luft ist erfüllt von Pestiziden wie Paraquat und 2,4-D, die zum Schutz der Sojaernte verwendet werden.“ (Quelle).
Der verbleibende Atlantische Regenwald Paraguays und der Alto Paraná Wald, sowie die Feuchtgebiete, Weiden und Flüsse sind durch die Ausbreitung gewaltiger Sojafelder zerstört und verschmutzt worden. Die Abholzung beschleunigt die globale Klimaerwärmung und verursacht zudem gravierende regionale Klimaerwärmungen und Dürren. Sie hat in Paraguay im letzten Jahr zu der schlimmsten Feuersaison beigetragen, die jemals aufgezeichnet wurde und vermutlich ebenfalls zu der schwerwiegenden Dürre, die aktuell den Süden des Landes heimsucht. Mehr als 100.000 Familien von Bauern wurden wegen den Sojaplantagen vertrieben und mehr als 100 ländliche, führende Persönlichkeiten sind seit Ende der 90er Jahre in Konflikten um Zugang zu Land ermordet worden. Die Verwendung von Agrochemikalien auf den Sojaplantagen verursacht Krankheiten, in einigen Fällen sogar den Tod unter der Bevölkerung. Sie zerstört ebenfalls die Nahrungsmittelernten der Menschen. Hunger und Unterernährung nehmen zu, da Farmern immer weniger Land für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung steht.
Im August dieses Jahres hat die neue Regierung ihre Arbeit aufgenommen, und der neue Präsident, Fernando Lugo, hat versprochen, die Kleinbauern im Kampf gegen die Verwendung von Pestiziden und die Expansion von Sojafeldern zu unterstützen. Die Signale der Regierung waren jedoch widersprüchlich, da sie gleichzeitig steigende Sojaexporte fördert. Auch die Polizei und juristische Instanzen fördern das Geschäft mit Soja, indem Bewegungen von Bauern unterdrückt werden, die gegen die Verwendung von Agrochemikalien und die Ausbreitung der Monokulturen protestieren.
Diesen Oktober, zu Beginn der neuen Sojaanbausaison, haben sich Organisationen von Kleinbauern organisiert, um die Verwendung von Agropestiziden zu verhindern, und die nachhaltige Landwirtschaft und Umwelt gegen weitere Zerstörungen zu schützen. Die Bauern haben nahezu 130 legale Lagerplätze auf dem Gebiet der Soja „latifundios“ (Großgrundbesitz) aufgebaut. In den vergangenen Wochen sind sie zunehmend Gewalt ausgesetzt worden, mit zwei Morden auf Seiten der anführenden Bauern, illegalen Arresten und Festnahmen. Zudem wurden einige Lagerplätze unter zu Hilfenahme einer steigenden Anzahl von Paramiltärs sowie Polizisten gewaltsam geräumt. Viele anführende Bauern erhalten Morddrohungen. Die zivilen Sicherheitskräfte, die sogenannten „Comisiones Garrote“, welche die alte Regierung in Kraft setzte, sind die zentralen Akteure hinter dieser Drohungen.
Es besteht ein hohes Risiko, dass die Gewalt und Unterdrückung gegen die Bewegung der Bauern sich weiterhin verschärfen. Für viele aus dieser Bewegung wird dieses Jahr als die letzte Möglichkeit angesehen, um die weitere Ausbreitung von Soja aufzuhalten, den wenigen verbleibenden Wald und die Feuchtgebiete Paraguays sowie die nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft zu schützen und die Zukunft von Kleinbauern und Einheimischen zu sichern.
Bitte, schreiben Sie an die Verantwortlichen in Paraguay und fordern Sie sie auf, die Kleinbauern und ihre Forderungen nach einem Schutz vor der Verwendung von Agropestiziden, vor Räumungen, Umweltzerstörung und Verschmutzung und für Ihren Kampf für die Nahrungsmittelhoheit sowie eine Landreform zu unterstützen.
Zur AKTION
» zurück
|