Aktuell


Südamerikas Indigene wehren sich (mit AKTION)

Brasilien: Häuptling Raoni fordert Erhalt des Regenwaldes

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 1.7.11

Obwohl bisher 11 Klagen gegen Belo Monte eingereicht wurden, hält die brasilianische Regierung weiter an dem Megaprojekt fest. Die Staatsanwaltschaft in Pará, der Region in der das Wasserkraftwerk entstehen soll, kritisiert die Lizensvergabe als unrechtmäßig, da nationale Umwelt- und Sozialstandards nicht eingehalten wurden. Obwohl von den 40 Auflagen für das Projekt noch immer 11 nicht umgesetzt sind, erteilte das brasilianische Umweltamt am 1. Juni 2011 die definitive Umweltlizenz für den Bau des Kraftwerks Belo Monte am Xingu-Fluss.

Bei europäischen Firmen, die maßgeblich an dem Milliardenprojekt beteiligt sind, hat der Verein Rettet den Regenwald bereits protestiert. So beim zum Siemens-Konzern gehörenden Industrieausrüster Voith sowie beim österreichischen Anlagenbauer Andritz und dem französischen Alsthom-Konzern. Letztes Jahr war Raoni Metukire bereits in Frankreich, um für sein Anliegen zu werben. Daraufhin gründete sich die Solidaritätsgruppe "Raoni".

Dennoch gab es bisher kein Einlenken. Nun haben sich selbst renommierte brasilianische Wissenschaftler dem breiten gesellschaftlichen Widerstand gegen das Projekt angeschlossen. Biologen des staatlichen Nationalinstituts für Amazonasstudien/INPE warnen vor den klimafeindlichen Folgen des riesigen Stausees. Das geplante 500 km² große Staubecken wird immense Flächen Regenwald überfluten. "Alles organische Material, Kohlenstoff im Boden, Bäume und Wasserpflanzen zersetzen sich auf dem Grund des Stausees [...]. Die Wassermassen treiben unter hohem Druck die Turbinen an und gelangen dann plötzlich in die Atmosphäre. In Amazonien wirken Wasserkraftwerke häufig schädlicher, negativer als die zur Elektrizitätsgewinnung verbrannten fossilen Energieträger", so der angesehene Biologe Philip Fearnside vom INPE.

Noch fataler werden die Folgen des Wasserkraftwerks für die indigenen Gruppen im Xingubecken sein. Allein das Volk der Kajapó umfasst 6300 Menschen, die seit jeher in und mit dem Wald leben. Die Vertreibung durch das Belo Monte Projekt würde sie entwurzeln und das Ende ihrer Kultur bedeuten. Wenn die Regierung nicht einlenkt, dann wollen die Kajapó und andere indigene Gruppen notfalls mit Gewalt für ihren Lebensraum kämpfen. "Ich habe meine Leute immer vom Kriegführen abgehalten. Aber nun bin ich sehr besorgt und verunsichert. Aber wir hoffen auf einen guten Ausgang der Verhandlungen", sagte Raoni bei seinem letzten Besuch in Frankreich.

Bitte unterstützen Sie Raoni beim Kampf gegen das Wasserkraftwerk Belo Monte und unterzeichnen Sie die nachfolgende Petition der Indigenen. Raoni wird im September erneut nach Europa reisen, und wir möchten ihm die gesammelten Unterschriften dann persönlich überreichen. Die Indigenen wollen die Petition zusammen mit den Unterschriften anschließend der brasilianischen Regierung übergeben.

Zur AKTION


Ecuador: Sarayaku werden an der Anhörung vor dem Interamerikanischen Gerichtshof teilnehmen

Von Kristina Osen, "Rettet den Regenwald"v e.V., 01.07.2011

„Wir möchten keine Ölförderung mehr in unserem Territorium. Überall dort, wo seismische Forschung betrieben wurde, gibt es heute keine Pflanzen und Tiere mehr. Mein Volk kämpft für seine Würde, für die Wiedergutmachung der entstandenen Schäden und die Entfernung der Sprengkörper aus unserem Territorium. Wir hoffen auf diesem Weg Gerechtigkeit zu erlangen, damit so etwas nie wieder passiert.“, José Gualinga, Präsident des Kichwa-Volkes aus Sarayaku (ecuadorianisches Amazonasgebiet).

Nach 8 Jahren des Kampfes wird der Fall Sarayaku mit der Anhörung vor dem internationalen Gerichtshof für Menschenrechte, die am 6. und 7. Juli 2011 in San José, Costa Rica stattfinden wird, seine Endphase erreichen. Eine Abordnung von Anführern und Zeugen aus der Gemeinde Sarayaku werden an der Anhörung teilnehmen und von den Anwälten Mario Melo der Fundación Pachamama sowie Viviana Kriticevic und Ariela Peralta des Center for Justice and International Law (CEJIL ) unterstützt.

„Am Anfang verstanden wir nicht was passierte, es war wie ein Albtraum: plötzlich waren das Militär und die Ölfirma da. Wir dachten immer dass unsere Territorium und unsere Autonomie respektiert würden. Doch die Ölfirma sorgte für Panik, brachte Familien auseinander und schuf Gewalt. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar und es wird auch in Zukunft schwierig für uns sein diese Erlebnisse aus unserer Erinnerung zu löschen.“, erzählt José Gualinga über die schwierige Zeit, die sein Volk zwischen 2002 und 2003 durchleben musste, als der argentinische Ölkonzern CGC mit Militärschutz in das Sarayaku- Territorium eindrang, um dort ohne Rücksprache und Einwilligung der Gemeinde Sarayaku seismische Forschungen durchzuführen.

Die Anhörung ist sehr wichtig für die Gemeinde Sarayaku, denn es ist die einzige Chance um das Plädoyer in Form von Zeugenberichten und Gutachten vor dem Gerichtshof vorzubringen, um die Verstöße gegen die internationalen Menschenrechte aufzuzeigen, unter denen das Volk der Sarayaku während den Ölförderungen im Block 23 zu leiden hatte.

Im Laufe der Anhörung werden vier mutmaßliche Opfer, zwei vom Staat vorgeschlagene Zeugen und zwei Gutachtern, unter ihnen James Anaya, Sonderberichterstatter der UNO über die rechte indigener Völker, vor dem Gerichtshof aussagen. Die Anhörung ist öffentlich und wird im Internet auf der Webpage www.corteidh.or.cr live übertragen (am 6. Juli ab 15:00 Uhr und am 7. Juli ab 9:00 Uhr, jeweils Ortszeit - 6. Juli ab 23:00 und 7. Juli ab 17:00 deutscher Zeit).

„Wir haben viel Solidarität und Unterstützung durch andere Völker erfahren. Viele haben uns gebeten unsere Erfahrungen mit der Klage und den Kampf für die Anerkennung unserer Rechte mit ihnen zu teilen.“, verkündet der Präsident von Sarayaku.

Momentan hat die ecuadorianische Regierung bekannt gegeben, dass eine neue Verhandlungsrunde mit den Ölgesellschaften einberufen wird. Hierbei werden 12 Blöcke mitwirken, die auf mehr als 2 Millionen Hektar verteilt sind und ungefähr 95% der Territorienfläche von fünf indigenen Nationalitäten betreffen, welche alle in der gleiche Region liegen, in der sich auch Sarayaku befindet.

Mario Mela, Anwalt von Sarayaku, deutete an „Ein Urteil zugunsten des Volkes von Sarayaku würde einen wichtigen juristischern Präzedenzfall für ganz Amerika darstellen und Staaten in die Verantwortung ziehen das Mitspracherecht und die Einwilligung der indigenen Völker anzuerkennen, wenn deren Leben und Kultur durch „Entwicklungsprojekten“ in ihren Territorien beeinträchtigt werden“.


UN lässt unkontaktierte Indigene im Stich

Survival International Deutschland e.V. Pressemitteilung, 5.7.11

Die Vorzeigeinitiative für Unternehmensverantwortung der Vereinten Nationen (UN) wird laut Ayoreo-Indianern in Paraguay missbraucht, um Menschenrechtsverletzungen zu verhüllen. Sprecher des indigenen Volkes, das teilweise noch unkontaktiert lebt, haben an den UN Global Compact geschrieben und ihre „Sorge und Frustration” darüber zum Ausdruck gebracht, dass das kontroverse brasilianische Viehzuchtunternehmen Yaguarete Porá Teil des Netzwerkes ist.

Yaguarete wurde vergangenes Jahr angeklagt und mit einer Geldstrafe belegt, weil es den Wald der Ayoreo unrechtmäßig gerodet und Beweise für die Existenz unkontaktierter Ayoreo zurückgehalten hatte. Die Ayoreo fordern, dass das Unternehmen aus dem Global Compact ausgeschlossen wird.

Der Global Compact „ruft Unternehmen weltweit dazu auf, zehn Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechten, … und Umweltschutz umzusetzen.“ In seiner Antwort gab der Global Compact zu, „weder die Ressourcen noch das Mandat zu haben, um Ermittlungen gegen Teilnehmer durchzuführen.“

Yaguarete Porá wurde 2010 mit Survival Internationals Greenwashing Award ausgezeichnet, weil es „die groß angelegte Zerstörung des Waldes, in dem das indigene Volk der Ayoreo-Totobiegosode lebt, als noble Geste für den Naturschutz tarnt“.

Während einige Ayoreo von Missionaren kontaktiert wurden, leben weitere Mitglieder des Volkes noch unkontaktiert im Wald. Ihr Land wird jedoch rapide von Viehzüchtern zerstört, um Weideflächen zu schaffen.

Die Ayoreo kritisieren, dass Yaguarete auf seiner Internetseite mit der Teilnahme am UN Global Compact wirbt. Dies würde ein falsches Bild als verantwortungsvolles Unternehmen zeichnen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Das macht den UN Global Compact zur Farce. Die Vereinten Nationen müssen sicherstellen, dass ein Unternehmen sich an die Prinzipien hält bevor es sich mit dem Logo schmückt, sonst wird die Initiative bedeutungslos. Yaguarate sollte sofort vom Global Compact ausgeschlossen werden.“




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