Aktuell


Abholzung in Kamerun

US-Konzern unterläuft Ziele deutscher Entwicklungshilfe

Kamerun: Abholzung statt Regenwaldschutz

Pressemitteilung des SAVE Wildlife Conservation Fund, Wülfrath, 2.7.13

Deutschland leistet bereits seit Jahren Entwicklungshilfe in Kamerun, allein im Jahr 2012 in Höhe von mehr als 24 Millionen Euro. Das jedoch mit zwei klar definierten Zielen: Schutz des Tropenwaldes und Optimierung der Nutzung des Waldes als Nahrungs- und Einnahmequelle der lokalen Bevölkerung. Konkret fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den nachhaltigen Anbau von Kleinplantagen in Pufferzonen rund um die Schutzgebiete wie z.B. den Korup Nationalpark. Jedoch genau hier werden nach Ansicht von Naturschutzorganisationen wie dem SAVE Wildlife Conservation Fund deutsche Steuergelder verschwendet.

Der Vorwurf bezieht sich auf die Aktivitäten des großen US-Konzerns Herakles Farms und dessen Tochterunternehmen SG Sustainable Oils Cameroon (SGSOC) in Kamerun. Das Unternehmen plant, am Rand bedeutsamer Schutzgebiete riesige Palmöl-Monokulturen von der Größe von New York City entstehen zu lassen. Der Regenwald soll hierfür gerodet statt geschützt werden. Die Einnahmen aus dem Holzeinschlag kommen Herakles zugute bzw. einer Zwischengesellschaft auf den Cayman Islands. Die lokale Bevölkerung und der kamerunische Staat hingegen gehen großenteils leer aus.

Am 26. Juni wurde zu diesem Thema eine Sondersitzung im Deutschen Bundestag einberufen, in der parteiübergreifend alle Teilnehmer das Vorgehen von Herakles Farms scharf kritisierten und Konsequenzen forderten. Sie kamen einhellig zur Überzeugung, dass das Verhalten der kamerunischen Regierung sowie von Herakles Farms negative Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit in Kamerun haben wird. Diskutiert wird aktuell, ob die Mittel gekürzt werden. In jedem Fall aber wolle die Bundesregierung sehr genau prüfen, unter welchen Voraussetzungen künftig deutsche Steuergelder zum Schutz der Biodiversität ausgegeben werden.

Im Vorfeld zur Sondersitzung hatten der SAVE Wildlife Conservation Fund und Greenpeace in Zusammenarbeit mit dem Oakland Institute ein umfassendes Aufklärungs-Papier erarbeitet mit dem Titel „The truth behind Herkales Farms – False promises in Cameroon“.

Dieses Papier lag dem Sonderausschuss des Bundestags vor und war Basis der Gespräche. Im Papier wird sowohl die Zusammenfassung der Ereignisse dokumentiert und Forderungen gestellt, als auch deutlich skizziert, wie Ziele deutscher Entwicklungspolitik boykottiert werden.

Insgesamt werden in dem Papier neun Lügen enttarnt, wie der US-Konzern versucht, in Kamerun mit allen Mitteln den Bau der 70.000 Hektar großen Palmölplantage am Korup Nationalpark in einem hoch artenreichen Ökosystem durchzusetzen: mit Korruption, Gesetzesverstößen und falschen Versprechungen. Der Kernvorwurf der Verfasser: In Kamerun werden einzigartige Naturwälder, die in Millionhöhe mit deutschen Steuergeldern geschützt werden, aktuell von einem US- Konzern gerodet, abtransportiert und eigennützig verkauft. Herakles erwartet daraus einen Gewinn von 60-90 Millionen US-Dollar. In Kamerun selbst profitiert niemand davon.

In dem Papier werden zahlreiche Gesetzesverstöße dokumentiert: Sie reichen von Korruption, illegalen Rodungen, fehlenden Genehmigungen bis Landraub und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung. In den zwei Jahren, in denen das Projekt zur Errichtung einer Palmöl-Großplantage existiert, wurden nach Kenntnis der Naturschützer zahlreiche Versprechen gebrochen. Zum Beispiel versprach Herakles Farms, dass der Gewinn aus dem Holzverkauf ausschließlich der kamerunischen Regierung zugute kommen würde. Tatsächlich aber versprach Herakles seinen Investoren den Gewinn.

Weiterhin scheint Korruption in diesem Fall an der Tagesordnung zu stehen: Augenzeugen berichten von hohen Geldgeschenken oder Jobversprechen, mit denen Herakles Farms die Menschen in Kamerun versucht hat, auf seine Seite zu ziehen. Über 80% der betroffenen Bevölkerung hat sich jedoch bei einer Unterschriftensammlung gegen den Bau der Plantage und die Regenwaldrodung entschieden.

Hinzu kommen viele falsche Versprechungen: Medizinische Versorgung der Bevölkerung, Nahrungssicherheit, feste Beschäftigungsverhältnisse – all das, so wird in dem Papier dokumentiert, erweist sich im Nachhinein als Farce. Das Projekt wird stattdessen von den Verfassern als ausbeuterisch, profitgierig und extrem nachteilig für die lokale Bevölkerung beurteilt. Ein Beispiel: Straßen werden lediglich für den Abtransport des Holzes und der Palmfrüchte gebaut, nicht zur Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur.

Herakles Farms gab zwar in einer Pressemitteilung vom 22. Mai bekannt, auf Verlangen der kamerunischen Regierung alle Aktivitäten auf der Palmölplantage vorläufig auszusetzen. Zwischenzeitlich wurde aufgrund des hohen Drucks von Naturschutzorganisationen sowie der deutschen Bundesregierung im Landwirtschaftsministerium ein vorläufiger Vorschlag von der kamerunischen Regierung ausgearbeitet: Die Verträge mit dem US- Investor sollen als nichtig erklärt werden. Stattdessen soll ein neuer Prozess zur Vertragserstellung gestartet werden.

Zu befürchten ist jedoch, dass Herakles Farms bald wieder die Plantagenarbeiten aufnehmen wird. Eine Stellungnahme seitens Herakles liegt derzeit noch nicht vor.

Die Umweltschutzorganisationen setzen große Hoffnung in die deutsche Regierung, dass diese ihren Einfluss geltend macht. Würde es ihr gelingen das Projekt endgültig zu stoppen, könnte der Regenwald gerettet werden: als Schatzkammer hoher Biodiversität und als Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung.




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