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Veranstaltung

ARD-alpha: Wirtschaft gegen Wildnis - Wie viel Urwald können wir uns leisten

Ein Drittel der Fläche in Deutschland ist bewaldet. Die Wälder bestehen größtenteils aus Nutzwald, in dem die Bäume höchstens 100 Jahre alt sind. Bäume können aber 400 bis 600 Jahre alt werden. Wir brauchen mehr alte Wälder, in denen sich junge, alte und tote Bäume mischen. Tote Bäume sind ein wichtiger Baustein im Kreislauf der Natur, weil im sogenannten Totholz viele bedrohte Arten einen idealen Lebensraum finden. Die Bundesregierung hat sich bis 2020 ein Ziel gesetzt: Bis dahin sollen fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland wieder zum Urwald werden. Derzeit ist es ein Prozent. Fünf Prozent wären ein Anfang. Und schon der wird heftig diskutiert. Naturschützer wollen mehr Urwald in Deutschland. Vertreter des staatlichen Forstbetriebs "Bayerische Staatsforsten" sehen das anders: Man bewirtschafte die Nutzwälder so schonend, dass ein strengerer Schutz überflüssig ist. Es geht im Kern also ums Nutzholz. Allein im Ammergebirge schlagen die "Bayerischen Staatsforsten" jährlich 30.000 Kubikmeter Holz. Das ist erlaubt, weil Bayern einen eigenen Weg, den "Bayerischen Weg", eingeschlagen hat. Statt Wirtschaftswald und Schutzgebiet zu trennen, will die "Bayerische Staatsforsten" den gesamten Staatswald naturschonend bewirtschaften. Ausgenommen sind davon nur Wälder, die bereits unter strengstem Schutz stehen wie zum Beispiel der Nationalpark Bayerischer Wald. Allerdings stören sich an der pauschalen Fünf-Prozent-Regel Urwald in Deutschland nicht nur Forstwirte, sondern auch Wissenschaftler. Sie sagen, wichtiger wäre es, dass man die richtigen Wälder schützt, also die besonders alten und einzigartigen. Und es sollten größere, zusammenhängende Flächen geschützt werden, damit sich Pflanzen und Tiere durch Wanderbewegungen an sich verändernde Klimabedingungen anpassen können. Zusammengefasst heißt das: Ja, wir brauchen mehr Urwald, nur wie viel und wo ist die Frage.

Datum: Sa, 19. Aug 2017 01:40 Uhr - 02:10 Uhr
 

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