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Export von CO2-Emissionen

Welthandel: Reiche Länder verursachen zunehmend CO2-Emissionen in ärmeren Ländern

TU Berlin und Potsdam Institut für Klimafolgenforschung Pressemitteilung, 26.4.11

Reiche Länder sind zunehmend für den Ausstoß von Treibhausgasen in ärmeren Ländern verantwortlich. Dort verursachen sie durch ihren Konsum mehr CO2 als sie in ihren eigenen Grenzen einsparen. Dies hat ein internationales Wissenschaftlerteam in der ersten umfassenden Studie zu diesem Thema herausgefunden. In den Industrieländern werden mehr und mehr Waren konsumiert, die in Entwicklungsländern produziert werden. Während in Industrieländern der Emissionsanstieg zwischen 1990 und 2008 insgesamt gebremst wurde, betrug er weltweit 39 Prozent. Die CO2-Emissionen für die Produktion von Gütern, die in Industrieländern konsumiert werden, ist dabei überdurchschnittlich gewachsen. Eine Verlagerung von Emissionen in die ärmeren Länder könnte auf Dauer die Wirkung von Emissionsbegrenzungen etwa in Deutschland oder Europa unterlaufen, so die Autoren.

„Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht – etwa in China oder Bangladesh“, erklärt Jan Christoph Minx aus den Forschungsbereichen Klimaökonomie und Sustainable Engineering der Technischen Universität Berlin (TU), einer der Autoren. Unter dem Klimaschutzabkommen des Kyoto Protokolls haben sich Industrieländer zur Begrenzung ihres CO2-Ausstoßes verpflichtet. Für Schwellen- und Entwicklungsländer wurde auf eine solche Begrenzung jedoch verzichtet, um notwendiges Wirtschaftswachstum im Kampf gegen die Armut nicht zu behindern. Industrienationen können deshalb auch durch wachsenden Konsum von Produkten aus Entwicklungsländern direkt zum globalen Anstieg klimaschädlicher CO2-Emissionen beitragen.

„Durch ihren Konsum haben die meisten Industrieländern zu mehr Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie durch Klimaschutz zu Hause eingespart haben“, so Minx. Der Konsum in Industrienationen verursachte einen Emissionsanstieg in Entwicklungsländern, welcher die bis 2008 erreichten Emissionseinsparungen in den Industrienationen um ein Fünffaches übersteigt. „Wir begrenzen Emissionen bei uns, verursachen aber zugleich mehr CO2-Ausstoß in Regionen ohne Klimaschutzziele“, sagt Minx. Nur durch dieses Auslagern von Emissionen, so die Autoren, könnten die Industrieländer bislang ihre Klimaschutzziele mit vergleichsweise geringen Anstrengungen und trotz wachsenden Konsums erreichen.

Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen. Die Autoren haben Emissionsverlagerungen in 95 Ländern und 57 Wirtschaftsbranchen über 19 Jahre hinweg untersucht. Bislang hatte es ähnliche Analysen nur für einzelne Jahre gegeben.

Die Ergebnisse deuten auf Schwächen im internationalen Berichtssystem zur Erfassung von Emissionen hin. „Im heutigen Zurechnungssystem müssen Industriestaaten die durch ihren Konsum verursachten Emissionen nicht melden, selbst wenn diese zum weltweiten Emissionsanstieg beitragen“, sagt Leitautor Glen P. Peters vom Center for International Climate and Environmental Research (CICERO) in Oslo. „Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie über die durch internationalen Handel auftretenden Emissionen zusätzlich berichten sollten.“ Emissionen werden unter dem Kyoto Protokoll dem Land zugeschrieben, auf dessen Gebiet sie entstehen. Ob dieses Prinzip alleine ausreicht, solange es nur regionale Ziele im internationalen Klimaschutz gibt, stellt die Studie nun in Frage.

„Das bedeutet nicht, dass man auf regionale Regeln zur Emissionsvermeidung genauso gut verzichten könnte, sondern dass im Gegenteil deren Ausweitung nötig ist“, erklärt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der zugleich das von der Michael-Otto Stiftung mitfinanzierte Fachgebiet Klimaökonomie an der TU Berlin leitet. Auch er ist einer der Autoren. Derzeit ist das Klimaschutzsystem international zersplittert. „Jetzt brauchen wir Pfade zu einem globalen Abkommen“, betont Edenhofer. Nur ein solches könne letztlich die in der Studie aufgezeigten Probleme vermeiden.

Es sei nicht die Klimapolitik in Industrienationen, die zur Verlagerung von Emissionen führt - entscheidend seien andere Treiber des globalen Strukturwandels, so argumentieren die Autoren weiter. Beispielsweise führt das niedrigere Lohnniveau in Entwicklungs- und Schwellenländern zu Produktionsverlagerungen aus Industrieländern. Die Wissenschaftler stützen sich dabei auf Computersimulationen anderer Forscher sowie auf eigene Beobachtungen. So zeigt ein Vergleich der Europäischen Union und der USA: Nur in der EU gibt es verbindliche Regeln für Klimaschutz, trotzdem ist hier wie dort der Transfer von Emissionen durch Handel gleichermaßen gestiegen.


Röttgen: Engagement für den Klimaschutz verstärken

Gruppe der größten Treibhausgas-Verursacher berät in Brüssel über konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz

BMU Pressemitteilung, 26.4.11

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat sich heute auf dem Klimaforum in Brüssel für mehr Engagement für den Klimaschutz ausgesprochen. Röttgen: "Wir müssen die auf der Weltklimakonferenz in Cancún getroffenen Vereinbarungen mit Leben erfüllen. Noch reichen die von den Staaten zugesagten Minderungen nicht aus, um die globale Erwärmung sicher unter 2 Grad zu halten. Ein Abkommen, das für alle großen Emittenten verbindliche Ziele und Maßnahmen enthält, bleibt unser Ziel. Auf der Folgekonferenz in Durban müssen wir uns weiter in diese Richtung bewegen." Am Major Economies Forum (MEF) nehmen Repräsentanten der 17 größten Volkswirtschaften teil, die für rund 80 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich sind.

In Brüssel kommt das MEF zum ersten Mal nach der Weltklimakonferenz in Cancún zusammen. Ziel des Treffens ist es, die dort getroffenen Vereinbarungen zu konkretisieren und die politischen Bedingungen für einen Erfolg bei der kommenden Klimakonferenz auszuloten, die in Durban (Südafrika) stattfinden wird.

Hintergrund:

Der MEF-Prozess wurde 2007 von der damaligen US-Administration (seinerzeit unter der Bezeichnung Major Economies Meeting, MEM) im Vorfeld der Weltklimakonferenz von Bali initiiert. Zu den MEF-Tagungen lädt die US-Regierung die 16 größten Emittenten von Treibhausgasen ein (G8: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland, USA; Basic-Staaten: Brasilien, China, Indien, Mexiko, Südafrika; sowie Australien, Indonesien, Korea). Diese verursachen gemeinsam rund 80 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes. In der Vorbereitung von Kopenhagen und Cancún gab es zahlreiche Treffen. Die letzte Tagung war in November 2010 in Arlington (USA). Die Tagung in Brüssel wird von den USA gemeinsam mit der EU-Kommission geleitet.




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