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Aktuell

Emissionshandelsreform gescheitert

Europa demontiert sich selbst beim Klimaschutz

Europaparlament lässt wichtigstes Instrument des europäischen Klimaschutzes kollabieren

WWF/Greenpeace Pressemitteilung, 16.4.13

Berlin/Strasburg – WWF und Greenpeace bewerten die heutige Entscheidung des Europaparlaments zur Reform des Emissionshandels als schallende Ohrfeige für den europäischen Klimaschutz. Mit ihrem Votum haben die Abgeordneten nicht nur das Flaggschiff des europäischen Klimaschutzes in die Bedeutungslosigkeit verbannt, sondern auch Europas Glaubwürdigkeit in Sachen Klimaschutz demontiert. Das Parlament stimmte gegen den Vorschlag der EU-Kommission, die 900 Millionen CO2-Zertifikate zeitweilig aus dem Markt nehmen wollte („backloading“), um den exorbitanten Überschuss an Emissionsrechten einzudämmen. Der Vorschlag wurde an die Ausschüsse zurückgewiesen. Die Kommission muss nun entscheiden, ob sie den Vorschlag zurückzieht. „Dieser Minimalkonsens wäre nur der erste Schritt für eine grundlegende Reform des Emissionshandels gewesen. Wenn Europa schon an dieser Hürde scheitert, stehen nun wieder verstärkt nationale Klimaschutzanstrengungen ganz oben auf der Agenda. Das Europäische Parlament hat heute eine europäische Klimaschutzpolitik aus einem Guss in den kommenden Jahren für Makulatur erklärt“, sagte Juliette de Grandpré, Expertin für Emissionshandel beim WWF.

Deutschland hat viel zu diesem verheerenden Abstimmungsergebnis beigetragen. Während das federführende Umweltministerium für die Reform eintritt, blockiert das Wirtschaftsministerium, so dass Deutschland seit Monaten in Brüssel nicht sprechfähig ist. Kanzlerin Merkel hatte nicht die Kraft bei dieser so wichtigen Abstimmung eine klare deutsche Position für den europäischen Klimaschutz festzulegen. Diese Situation hat viele Europa-Abgeordnete stark verunsichert und den Gegenwind für die Reform verstärkt. „Deutschland hat bisher kläglich versagt, Europas angeschlagene Glaubwürdigkeit in Sachen Klimaschutz wieder herzustellen. Die Kanzlerin kann aber nicht einerseits die Energiewende propagieren und andererseits den europäischen Emissionshandel vor die Wand fahren lassen. Frau Merkel muss jetzt ihren Vizekanzler zur Ordnung rufen und dafür sorgen, dass Deutschland nicht länger die Reform des europäischen Klimaschutzes blockiert“, sagte Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace in Berlin.

Der Emissionshandel, das zentrale Instrument zur Erreichung der EU-Klimaziele, steckt in einer tiefen Krise. Der CO2-Preis, den die EU in allen ihren Energieszenarien mit 30 Euro pro Tonne einplante, ist auf historische Tiefststände um die vier Euro gesunken. Dadurch gibt es kaum noch Anreize für Unternehmen, in CO2-arme Technologien zu investieren. Um den Emissionshandel langfristig als wirkungsvolles Instrument zu sichern, wäre die heute gescheiterte Maßnahme nur ein erster Schritt gewesen. Studien unter anderem von WWF und Greenpeace haben nachgewiesen, dass strukturelle Reformen wie die Verschärfung der EU-Klimaschutzziele von 20 auf 30 Prozent bis 2020 und die dauerhafte Herausnahme überschüssiger Zertifikate den Emissionshandel wieder flott machen können.

Nach der heutigen Entscheidung ist unklar, wie die europäischen Mitgliedsstaaten gemeinsam den Kohlenstoffmarkt noch retten können. Um den Emissionshandel aber nicht gänzlich beerdigen zu müssen, fordern WWF und Greenpeace, jetzt die Debatte darüber zu führen, wie durch einen CO2-Mindestpreis in ausgewählten europäischen Ländern der Emissionshandel stabilisiert werden kann. Großbritannien kann hier als Vorbild dienen. Für Deutschland stellt sich darüber hinaus ganz dringend die Frage nach einem konkreten Plan, wie das Treibhausgasemissionsminderungsziel – 40 Prozent Minderung bis 2020 – auch ohne den europäischen Emissionshandel erreichen werden kann.


Ein schwarzer Tag für den Klimaschutz

Auch deutsche Parlamentarier blockieren Reform des EU-Emissionshandels

BUND Pressemitteilung, 16.4.13

Berlin/Straßburg/Brüssel: Die Ablehnung des sogenannten "backloading"-Vorschlags zur Reform des CO2-Zertifikatehandels durch das Europäische Parlament kommentiert Tina Löffelsend, Klimaexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

"Europa hat beim Klimaschutz versagt. Die dringend erforderliche Reform des CO2-Zertifikatehandels ist vorerst gescheitert. Deutschland trägt große Mitschuld an diesem Desaster. Es ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der sich gegen die Reform des Emissionshandels stemmt. Die Untätigkeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ebenfalls verantwortlich dafür, dass ein wichtiges europäisches Klimaschutzinstrument an die Wand gefahren wird."

Werde der Emissionshandel nicht reformiert, sei er überflüssig, sagte Löffelsend. Auch deshalb müssten die nationalen Regierungen jetzt zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um beim Klimaschutz voranzukommen. "Die Bundesregierung muss bei Industrie und Energieerzeugung mehr Klimaschutz durchsetzen. Und sie muss die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen sicher stellen. Denn auf Einnahmen aus dem Emissionshandel kann sie sich nicht mehr verlassen", so Löffelsend.


Entscheidung contra Klimaschutz: Europaparlament schickt Emissionshandel ins Koma

Jetzt hängt es an der Position der Bundesregierung

Germanwatch-Pressemitteilung, 16.4.13

Bonn/Berlin. Das Europaparlament wollte heute der Kommission in einer umkämpften Abstimmung das Recht zur Stützung des EU-Emissionshandel durch das "Backloading" nicht erteilen.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, kommentiert: "Für den Klimaschutz war das heute ein Schlag unter die Gürtellinie und ein Sieg für ewig gestrige Lobbyinteressen. Vor allem BASF und Thyssen-Krupp haben diese Lobbyschlacht gegen den Klimaschutz orchestriert. Leider haben sich auch viele deutsche EU-Parlamentarier von diesen Interessen einspannen lassen."

Christoph Bals: "Vor allem FDP- und Unions-Parlamentarier haben heute gegen den Klimaschutz und für die kurzsichtigen Interessen weniger Unternehmen gestimmt. Ich glaube nicht, dass sich Union und FDP im Wahlkampf das Stigma der Anti-Klimaschutzparteien leisten können."

Bals: "Immerhin hat eine Mehrheit der EU-Parlamentarier die Reform zurück in den Umweltausschuss geschickt. Damit erhöht sich der Druck auf die Bundeskanzlerin enorm, schnell dafür zu sorgen, dass Deutschland die überfällige Reform des CO2-Handels unterstützt. Wir erwarten von der Bundesregierung, sich jetzt umso zügiger für die langfristige Strukturreform des Emissionshandels einsetzt."




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