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Kritik an "nachhaltigem" Palmöl

RSPO: Kein Persilschein für Palmöl

Nachhaltigkeitssiegel für Palmöl in der Kritik

Pro Wildlife e.V., 23.6.11

München. Palmöl ist bei Verbrauchern in Verruf geraten: Riesige Flächen Regenwald werden gerodet, weil der Bedarf an Palmöl und damit auch die Palmölproduktion ständig wächst – für Lebensmittel, Kosmetika, Treibstoff und Putzmittel. Die Industrie reagiert nun mit einer Initiative, die nachhaltig produziertes Palmöl mit dem Ökosiegel „RSPO“ für Verbraucher wieder attraktiv machen soll. Derzeit wirbt die Initiative um Partner im Handel. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hält das RSPO-Siegel für Augenwischerei: „Wir stehen diesem Siegel äußerst kritisch gegenüber“, sagt Birgit Trinks, Waldexpertin von Pro Wildlife „In unseren Augen erfüllen die Zertifizierungsstandards nicht einmal die Mindest-Erwartungen, die an ein „Ökosiegel“ zu stellen sind – nämlich sicherzustellen, dass keine Primärwälder vernichtet werden und dass Monokulturen sowie der Einsatz von Pestiziden verhindert werden."

Wie Pilze schießen in den letzten Jahren Palmölplantagen aus dem Boden: Flächen einer Größe von 300 Fußballfeldern fallen stündlich neuen Ölplantagen zum Opfer – vorwiegend in den tropischen Regionen Indonesiens und Malaysias, den letzten Rückzugsgebieten von gefährdeten Arten wie der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans. Kritik von Seiten der Konsumenten und verschiedener NGOs hat die Industrie 2002 zum Anlass genommen, ein Nachhaltigkeitszertifikat für Palmöl zu entwickeln und gründete den „Roundtable for Sustainable Palm Oil“, kurz: RSPO.

Angeblich nachhaltiges Palmöl wächst auf gerodetem Regenwald

Ein Großteil der Palmölplantagen wächst auf Flächen, für die ökologisch wertvoller Regenwald gerodet wurde. Auch für die meisten RSPO-zertifizierten Plantagen mussten Primärwälder weichen. Eine Klausel in dem Prinzipien- und Kriterien-Katalog des RSPO macht genau dies trotz seines Anspruches auf Nachhaltigkeit möglich: Denn jegliche Entwaldung vor November 2005 wird bei der Vergabe von RSPO-Zertifikaten nicht berücksichtigt. Dort wo vor weniger als sechs Jahren noch unberührter Regenwald stand, kann somit heute eine RSPO-zertifizierte Plantage stehen. „Ein Siegel, das auf derartig schwachen Nachhaltigkeitskriterien basiert, ist lediglich irreführend und regt den Verdacht des aktiven Greenwashing. Eine tatsächliche Aussagekraft und Sicherheit für den kritischen Verbraucher birgt es nicht“, sagt Trinks.

Monokulturen sind nicht nachhaltig

In den Vorgaben des RSPO werden Monokulturen propagiert – doch Monokulturen können nicht nachhaltig sein: Bodenerosion sowie eine hohe Belastung durch Düngemittel und Pestizide sind nach nur wenigen Jahren Plantagenanbau die Folge. Ein Zahlenbeispiel: Eine einzige Ölpalme braucht im Jahr über 5.000 Liter Wasser, 8 kg Kunstdünger und 5 kg Pflanzenschutzmittel. Der Einsatz von stark giftigen Pestiziden wie Paraquat ist laut den Prinzipien und Kriterien der RSPO erlaubt, obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO ausdrücklich vor dem Einsatz dieser Mittel warnt. Ein Teelöffel davon reicht aus um einen Menschen zu töten. „Der Einsatz solcher Pestizide hat fatale Folgen für das fragile Ökosystem der tropischen Regenwälder, die vorzugsweise Anbaugebiete der Ölplantagenindustrie sind, sowie der dort lebenden Menschen. Mit Nachhaltigkeit hat das offensichtlich nichts zu tun!“ kritisiert Birgit Trinks, Pro Wildlife.

Artenschutz: Fehlanzeige

Aspekte des Artenschutzes finden in den Prinzipien und Kriterien für nachhaltiges Palmöl der RSPO nur am Rande Beachtung – in äußerst allgemein gehaltener und schwacher Formulierung: Flächen hoher biologischer Diversität (High conservation value habitats) sind nicht von der Bewirtschaftung ausgeschlossen, ihr Sonderstatus sollte lediglich im Anbau berücksichtigt werden. “Eine solche Praxis kann gerade Gebieten wie den tropischen Regenwäldern, die zu den artenreichsten Gebieten unserer Erde zählen, nicht gerecht werden“, lautet das Fazit der Artenschützerin Trinks.




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