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Aktuell

Umweltbilanzen 2015

Gewinner und Verlierer 2015

WWF: Die Zahl der bedrohten Tiere und Pflanzen wächst – doch es gab 2015 auch Silberstreifen am Horizont

WWF Pressemitteilung, 28.12.15

Niemals zuvor verbuchte die Rote Liste mehr gefährdete Arten: Über 23.000 Tiere und Pflanzen - und damit etwa ein Drittel aller untersuchten Arten - gelten zum Jahreswechsel 2015/16 als bedroht. Laut WWF-Jahresbilanz war 2015 besonders für Elefanten, Nashörner, Geier, Flughunde und Riesenfrösche kein gutes Jahr. Wilderei, Lebensraumverlust und Umweltverschmutzung machten ihnen zu schaffen. „Tiere und Pflanzen, sogar ganze Ökosysteme verschwinden, dabei ist jede Art einmalig und ein Wert an sich“, warnt Eberhard Brandes, Vorstand WWF Deutschland. „Schuld für den massiven Verlust biologischer Vielfalt weltweit sind Wilderei, Raubbau, die Übernutzung natürlicher Ressourcen und der Klimawandel. Die Menschheit verursacht so nicht nur das größte Artensterben seit Ende der Dinosaurier, sondern verspielt zugleich auf Kosten nachfolgender Generationen leichtfertig ihre Lebensgrundlage.“

Doch es gibt laut WWF auch gute Nachrichten. Dank neuer Schutzgebiete und konstanter Naturschutzmaßnahmen zählen zwei der seltensten Säugetierarten zu den Gewinnern 2015: der Amur-Leopard und der Iberische Luchs. Auch der Trend beim Pandabären ist positiv. Hierzulande ist die Rückkehr der einst ausgerotteten Wölfe Erfolg und zugleich Herausforderung. „Deutschland muss beim Artenschutz mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass der Mensch nicht nur das Problem verursacht, sondern auch die Lösung in den Händen hält“, so Brandes. Es gelte daher die Land- und Forstwirtschaft nachhaltiger auszurichten. Schutzgebiete müssten besser geschützt und vernetzt werden.

Von enormer Bedeutung ist laut WWF zudem der Kampf gegen den Klimawandel, der das Potential habe zu einem „globalen Arten-Killer“ zu werden. Vor allem hoch spezialisierte Arten wie der Schneeleopard oder auch der Eisbär leiden unter den Veränderungen ihrer Ökosysteme. Andere Arten hingegen profitieren: Orcas dringen wegen des ausbleibenden Meereises immer weiter in arktische Gewässer vor und verändern das dortige empfindliche Jäger-Beute-Gefüge. Der Klimawandel ist zudem ein Faktor, warum auch die Ostsee zunehmend unter Quallen-Plagen leidet. Die als lästig empfundenen oder gar gefährlichen Tiere profitieren von den Veränderungen der marinen Ökosysteme.

Verlierer 2015

Nashörner & Elefanten: Die dramatische Wildereikrise geht weiter. Bis November wurden allein in Südafrika rund 1000 Nashörner gewildert und in ganz Afrika dürften zehntausende Elefanten abgeschlachtet worden sein. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: 2015 hat die UN eine Resolution gegen illegalen Wildtierhandel verabschiedet. Der richtungsweisenden Entscheidung müssen nun Taten folgen.

Afrikanische Geier: Die Zahl der afrikanischen Geier ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um rund 50 Prozent zurückgegangen. Laut WWF besteht zwischen dem „Sturzflug der Geier“ und der Wilderei ein direkter Zusammenhang: Wilderer vergiften die Elefantenkadaver, um sich der Aasfresser zu entledigen. Kreisende Geier sind für Ranger nämlich wichtige Hinweisgeber. Die Vögel brauchen 30 Minuten um frisch getöteten Tiere zu finden, Wilderer aber doppelt so lange, um Stoßzähne zu entfernen.

Titicaca-Riesenfrosch: Wegen der ungefilterten Einleitung von Abwässern kam es im südamerikanischen Titicacasee 2015 zu einem Massensterben. Besonders betroffen ist der seltene Titicaca-Riesenfrosch, der nur hier vorkommt und mit bis zu einem Kilo zu den größten Froscharten der Welt zählt. Der Art droht im schlimmsten Fall das Aussterben.

Saiga-Antilope: Ein Massensterben, wahrscheinlich durch einen Krankheitserreger und Umweltfaktoren ausgelöst, hat 2015 in Kasachstan innerhalb weniger Tage bis zu 85.000 Saiga-Antilopen dahingerafft. Das entspricht einem Drittel des durch Wilderei ohnehin stark dezimierten Bestandes und stellt einen dramatischen Rückschlag für die internationalen Schutzbemühungen der Antilopen dar.

Asiatische Frauenschuh-Arten: Seit 2015 stehen alle 84 Frauenschuh-Arten der asiatischen Tropen als bedrohte Arten auf der Roten Liste. Der internationale Handel mit den seltenen und begehrten Orchideen ist verboten, doch mangels strafrechtlicher Verfolgung blüht der illegale Schmuggel.

Maskaren-Flughunde: Auf Mauritius haben die Behörden im November mit der Tötung von rund 18.000 seltenen Maskaren-Flughunden begonnen. Die Regierung begründet das Vorgehen mit Schäden im Obstanbau. Der WWF kritisiert die Maßnahme als irrational. Die Verluste gingen nur zu geringem Teil auf Flughunde zurück. Die Tiere seien „bequeme Sündenböcke“.

Gewinner 2015

Iberischer Luchs: Laut Roter Liste steht der Iberische Luchs nicht mehr unmittelbar vor dem Aussterben und ist „nur noch“ stark bedroht. Die Population hat sich seit 2002 auf über 300 Tiere vervielfacht. Dies war laut WWF nur durch eine Verzahnung von Lebensraumschutz, Aufklärungsarbeit, Wildereibekämpfung sowie Nachzucht und Auswilderung, möglich.

Amur-Leopard: Amur-Leoparden zählen weiter zu den seltensten Säugetieren weltweit. Ihr Bestand ist allerdings laut einer Zählung mit WWF-Beteiligung auf etwa 70 Exemplare angestiegen. Der Großteil der Population findet sich nahe der russischen Stadt Wladiwostok. Vor der Ausweisung des Schutzgebietes „Leopardovy“ wurden 2007 nur 35 Tiere gefunden.

Großer Panda: Der unermüdliche Einsatz für unser Wappentier durch die chinesische Regierung und dem WWF zahlt sich offenbar aus. Die Population der Großen Pandabären hat sich seit der Zählung 2004 um rund 17 Prozent auf aktuell über 1860 Tiere erhöht.

Wolf: Der Wolf setzt seine Rückkehr nach Deutschland unbeirrt fort: 32 Rudel wurden Mitte 2015 gezählt, fünf mehr als 2014. Weiter verbessert werden muss allerdings in einigen Regionen das Wolfs-Management der Bundesländer, damit Konflikte, etwa mit Tierhaltern, vermieden werden.


2015 - ein umweltpolitisch bedeutsames Jahr

Pariser Klimaschutz-Abkommen bestätigt Energiewende-Kurs, gerichtliche Erfolge gegen Pestizide und für Naturschutz, Riesen-Demonstrationen gegen falsche Agrarpolitik und TTIP

BUND Pressemitteilung, 22.12.15

Berlin: 2015 gab es nach Ansicht von Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sowohl international als auch national eine Reihe bemerkenswerter umweltpolitischer Entwicklungen. Neben der Verabschiedung des ersten weltumspannenden Klimaschutzvertrages zählten dazu ein gewachsenes Umwelt-Engagement der Bürgerinnen und Bürger sowie mehrere den Naturschutz stärkende Gerichtsurteile. Rückschläge habe es jedoch in der Verkehrs-, Energie- und Agrarpolitik gegeben.

"In Paris vereinbarte die Staatengemeinschaft zum ersten Mal ein den ganzen Globus umspannendes Klimaschutzabkommen. In Deutschland kommt bereits jede dritte Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien und erstmals wird eine Bundesregierung Kohlekraftwerke wegen deren Klimaschädlichkeit stilllegen. In Europa sprachen sich mehr als eine halbe Million EU-Bürger für mehr Naturschutz aus. Gleichzeitig konnten Biotope am gesamten früheren Eisernen Vorhang und entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze geschützt werden. Im Januar demonstrierten in Berlin 50.000 Teilnehmer für Reformen in der Agrarpolitik, gegen Gentechnik und für den Stopp von Tierfabriken. Für einen fairen Welthandel und gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA gingen im Oktober rund 250.000 auf die Straße. Bei uns, in Europa und weltweit engagieren sich immer mehr Menschen für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen. Das macht Hoffnung", sagte der BUND-Vorsitzende.

Ein wichtiges umweltpolitisches Signal sei Mitte 2015 vom Rechtsstreit "Bayer gegen BUND" ausgegangen, in dem der Umweltverband vor dem Düsseldorfer Landgericht Recht bekam. Weiger: "Gibt es auch nur den leisesten Verdacht auf die Bienengefährlichkeit bestimmter Pestizide, dann dürfen wir dies ohne jede Einschränkung öffentlich machen. Von diesem Urteil gestärkt werden wir weiter gegen die Produktion von Chemikalien vorgehen, die das weltweit zu beobachtende Sterben der Bienenvölker mit verursachen."

Fortschritte bringe auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Weservertiefung. "Der 1. Juli 2015 war ein bedeutender Tag für den Schutz der Flüsse in Europa. Wenn wir naturnahe Flüsse statt Kanalisierungen fordern, die Sicherung einer hohen Wasserqualität und des Fischreichtums, dann steht ab diesem Jahr das höchste europäische Gericht hinter uns", so der BUND-Vorsitzende.

Rückschläge habe es im zurückliegenden Jahr vor allem in der Verkehrs- und der Energiepolitik gegeben. Weiger: "2015 vermasselte Bundesverkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut und zugleich machte der VW-Skandal bitter deutlich, wohin die Verbrüderung von Regierung und Industrie führt. Energiepolitisch kommt unser Land kaum voran, weil die Kohlelobby mehr Klimaschutz blockiert. Nur mit deutlichen Fortschritten in der Energiepolitik kann Deutschland seine frühere Vorbildrolle beim Klimaschutz zurückgewinnen. Dazu gehört ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Einsparen von Energie", so Weiger.

Sein Verband werbe weiter für den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung, sagte Weiger. "Deutschland muss sein Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 unbedingt erreichen. Dafür werden wir uns im nächsten Jahr verstärkt einsetzen. Das Pariser Klimaschutzabkommen bestätigt den begonnenen Energiewende-Kurs. Plänen, den Ausbau der erneuerbaren Energien abzubremsen, werden wir uns entgegenstellen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass mit Ausschreibungen versucht wird, finanzstarken Großinvestoren gegenüber von Bürgern errichteten Windkraftanlagen oder Solarparks Vorteile zu verschaffen", sagte Weiger.

Große Versäumnisse habe es 2015 auch in der Agrarpolitik gegeben. Inakzeptabel sei, dass weiterhin Riesen-Ställe genehmigt würden, obwohl deren negative Folgen für Tiere, Umwelt und Menschen bekannt seien. Die Politik müsse stärker auf "Klasse statt Masse" setzen und den Bauern eine Perspektive geben, indem sie den Natur- und Umweltschutz stärker fördere. Deshalb rufe der BUND zum 16. Januar 2016 anlässlich der "Grünen Woche" in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt" zum sechsten Mal in Folge zur Großdemonstration für eine andere Agrarpolitik auf.




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