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Aktuell

Vor dem G20-Gipfel

Appell an Bundeskanzlerin Merkel: Vom G20-Gipfel muss ein starkes Signal für mehr Klimaschutz und Kohleausstieg ausgehen

BUND / MISEREOR Pressemitteilung, 28.6.17

Hamburg/Berlin: Klimaschutz ist eines der zentralen Themen des G20-Gipfels in Hamburg. Die 20 führenden Wirtschaftsnationen verantworten 75 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes – Tendenz steigend. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR fordern daher im Vorfeld des G20-Treffens deutlich mehr Anstrengungen, insbesondere von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als Vorsitzende der G20 müsse sie die Regierungen zu einem Signal für den klimafreundlichen Umbau der Energieversorgung bewegen und im eigenen Land mit dem Kohleausstieg vorangehen, forderten die Verbände anlässlich einer Barkassenfahrt zum Kohlekraftwerk Moorburg. Das erst 2015 offiziell in Betrieb genommene Steinkohlekraftwerk stößt pro Jahr rund 8,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 aus. Täglich werden bis zu 12.000 Tonnen Steinkohle verbrannt.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, sagte: "Das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg steht sinnbildlich für eine verfehlte Energiepolitik weit über Deutschland hinaus. Als klimaschädliches, viel zu unflexibles Kraftwerk wurde Moorburg gerade erst in Betrieb genommen und verstopft ausgerechnet im windreichen Norden die Netze für die Erneuerbaren Energien. Wir fordern von der Bundesregierung den raschen Ausstieg aus der Kohle und die schnelle Abkehr von Öl und Gas. Bundeskanzlerin Merkel muss als Vorsitzende des Gipfels eine G19-Allianz zur Transformation des Energiesektors schmieden."

MISEREOR weist auf die katastrophalen ökologischen und sozialen Auswirkungen des Kohlebergbaus für die Menschen in den Abbaugebieten hin, aber auch insgesamt für die ärmsten Bevölkerungsgruppen in den Ländern des Globalen Südens, die schon heute besonders vom Klimawandel betroffen sind. "Eine weitere Nutzung der Kohle würde den Kampf gegen die Armut weltweit bremsen. Wir fordern Deutschland und die G20 Staaten daher auf, nicht nur den raschen Ausstieg aus fossilen Energieträgern umzusetzen, sondern auch die staatlichen Förderungen für Kraftwerke und andere fossile Energieträger einzustellen", erklärte Bernd Bornhorst, MISEREOR-Abteilungsleiter Politik und globale Zukunftsfragen.

Deutschland allein importiert jedes Jahr rund 54 Millionen Tonnen Steinkohle und ist damit Spitzenreiter in der EU. Der Hamburger Hafen ist mit fünf Millionen Tonnen jährlich einer der wichtigen Umschlagplätze für die Importkohle. Rund ein Drittel der Importe stammt aus Russland. Nummer zwei der Importländer ist Kolumbien mit ca. 20 Prozent. In diesem Land sind die Arbeitsverhältnisse besonders prekär und die Missachtung der Menschenrechte und Umweltstandards besonders eklatant. Einwohner werden unter Missachtung ihrer Rechte für den Kohleabbau vertrieben, Gemeindevertreter und Umweltaktivisten eingeschüchtert oder sogar ermordet. Die Bevölkerung leidet unter den Schadstoffbelastungen durch die Tagebaue und dem durch sie verursachten Wassermangel, der das Leben in den Gemeinden zunehmend unmöglich macht.

Besonders betroffen von den massiven Eingriffen für den Kohleabbau in der kolumbianischen Region La Guajira im Nordosten des Landes sind indigene Völker wie die Wayúu. Ende letzten Jahres konnten sie zwar einen Erfolg gegen Erweiterungspläne für den Kohleabbau erzielen, aber die Lage vor Ort ist unverändert kritisch.

Jakeline Romero Epiayu, Sprecherin von Fuerza de Mujeres Wayúu, einer Frauenorganisation der Wayúu, appelliert an die Vertreter der G20-Staaten: "Das Schicksal unserer Völker hängt vom Kohlehunger der großen Wirtschaftsnationen ab. Da, wo wir leben geschehen aufgrund des Kohlebergbaus täglich Verletzungen der Menschenrechte und der Territorialrechte sowie eine unglaubliche Missachtung der Mutter Erde. Dies muss ein Ende haben."

Der BUND und MISEREOR erwarten von den Staatschefs, dass sie bei diesem G20-Gipfel – auch vor dem Hintergrund der Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Pariser Weltklimavertrag auszusteigen – ein starkes Signal für mehr Klimaschutz senden. "Die Fakten sprechen für sich, der Klimawandel muss gestoppt werden. Deutschland muss als starke Wirtschaftsnation vorangehen und einen konkreten Kohleausstiegsplan zusagen und gesetzlich verankern. Und die Kanzlerin muss sich dafür einsetzen, dass ab sofort in allen G 20-Staaten keine neuen Kohlekraftwerke mehr genehmigt werden und der Ausbau der Erneuerbaren Energien Priorität bekommt. Das wäre ein wirklich starkes Signal an die Weltgemeinschaft", so die Verbände abschließend.


Klare Botschaft zum G20-Gipfel

WWF Pressemitteilung, 30.6.17

Im Vorfeld des G20-Gipfels am 7. und 8. Juli senden die Energiewendepartner WWF und LichtBlick eine klare Botschaft an die Gipfelteilnehmer aus aller Welt. In überdimensional großen Buchstaben ist an der Fassade der LichtBlick-Zentrale in Hamburg, am Zirkusweg 4 (Platz vor Astraturm), zu lesen: THE CLIMATE CRISIS HURTS US ALL. ACT ON PARIS NOW! (Die Klimakrise schadet uns allen. Das Pariser Abkommen jetzt umsetzen!)

WWF und LichtBlick fordern die führenden Industrie- und Schwellenländer damit auf, an den Zielen des Pariser Klimaabkommens festzuhalten und deutlich mehr Anstrengungen zum Schutz des Klimas zu unternehmen.

„Wenn wir weiter das Klima anheizen, zerstören wir unsere Lebensgrundlagen. Wir müssen jetzt etwas tun, um das Schlimmste zu verhindern. Die Staatschefs der G20 dürfen sich nicht von der Kurzsichtigkeit einzelner Politiker aufhalten lassen“, sagt Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

"Die G20-Staaten sind für 80 Prozent der Klimakatastrophe verantwortlich. Nicht nur die USA stehen im Fokus, auch die deutschen Klimaschutzziele drohen zu scheitern. Seit 2009 ist Deutschlands CO2-Ausstoß unverändert hoch und nicht gesunken", mahnt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick.


Sechs Meilensteine für eine CO2-Wende bis 2020

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, 28.6.17

Die Welt braucht Hochgeschwindigkeits-Handeln, um den globalen Ausstoß von Treibhausgasen zu senken und unser Klima zu stabilisieren, erklären führende Experten. Wird das Verfeuern fossiler Brennstoffe rasch reduziert, können verheerende Hitze-Extreme und der Anstieg des Meeresspiegels wirksam begrenzt werden, schreiben die Autoren in einem Kommentar, der diese Woche in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift Nature veröffentlicht wird. Wenige Tage vor dem G20-Gipfel der führenden Wirtschaftsmächte setzen die Experten sechs Meilensteine für eine saubere industrielle Revolution. Dieser Aufruf zu starken kurzfristigen Maßnahmen ist das Gegenstück zum langfristigen Ansatz des 'Carbon Law', den einige der Autoren – darunter der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber – kürzlich in dem ebenso bedeutenden Journal Science veröffentlicht haben. Zusammen zeigen sie den Weg in die Dekarbonisierung auf.

„Wir stehen kurz davor, die Wende in der Kurve der Treibhausgas-Emissionen bis 2020 hinbekommen zu können – so wie es die Wissenschaft rät, um die UN Nachhaltigkeitsziele zu schützen, zu denen vor allem auch die Ausrottung extremer Armut gehört", sagt Christiana Figueres, Leitautorin des Nature-Kommentars und frühere Chefin der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). „Diese monumentale Herausforderung fällt zusammen mit einer noch nie dagewesenen Bereitschaft, sich selbst Ziele zu setzen; auf der Ebene der sub-nationalen Regierungen in den USA, der Regierungen auf allen Ebenen außerhalb der USA, und dem privaten Sektor. Diese Chance für die nächsten drei Jahre ist historisch einmalig.“ Figueres führt die 'Mission 2020' an, eine breite Kampagne, die sich dafür stark macht, Kohlendioxid-Emissionen ab 2020 zum Sinken zu bringen.

Zu den Autoren und Mitunterzeichnern der Veröffentlichung in Nature zählen mehr als 60 Wissenschaftler, Entscheider aus Politik und Wirtschaft, Ökonomen und Analysten, einschließlich Gail Whiteman von der Universität Lancaster; Sharan Burrow, Generalsekretärin des internationalen Gewerkschaftsbundes (International Trade Union Confederation); Paul Polman, Chef von Unilever plc; Anthony Hobley, Leiter des Carbon Tracker; Christian Rynning-Tønnesen, Vorsitzender von Statkraft; und Jonathan Bamber, Präsident der European Geosciences Union.

Große Transformation zur Nachhaltigkeit

Die Autoren sind zuversichtlich, dass sowohl der technologische Fortschritt als auch das politische Momentum einen Punkt erreicht haben, der den Beginn der 'großen Transformation zur Nachhaltigkeit' ermöglicht. 2020 ist wichtig, weil in diesem Jahr die USA rechtlich die Möglichkeit zum Austritt aus dem Pariser Klimavertrag haben. Noch wichtiger als die politischen sind aber die physikalischen Erwägungen. Die jüngste Forschung zeigt: Wenn wir das Verringern der CO2-Emissionen bis in die Zeit deutlich nach 2020 verzögern, dann wird es schwer, den weltweiten Anstieg der Temperaturen auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Ein Überschreiten dieser Grenze ist riskant, weil eine Reihe von Kippelementen im Erdsystem, etwa die großen Eisschilde, dann destabilisiert werden könnten.

„Wir sind in den vergangenen hundert Jahren gesegnet gewesen mit einem bemerkenswert widerstandsfähigen Planeten, der einen Großteil unserer Klimasünden noch verkraften konnte“, sagt Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre, er ist Ko-Autor des Kommentars in Nature wie auch der Veröffentlichung in Science. „Jetzt erreichen wir das Ende dieser Ära und müssen die globale Emissionskurve unverzüglich nach unten biegen, um die größten Auswirkungen auf unsere moderne Welt noch zu verhindern.“

„Die Klima-Mathematik ist brutal klar"

Tatsächlich kommt ein gesellschaftlicher Kipppunkt in Sicht, so zeigen die Experten. Die Energieerzeugung aus Wind und Sonne boomt bereits. In Europa zum Beispiel beruhten 2016 drei Viertel des Zubaus an Energiekapazitäten auf den Erneuerbaren. China baut sehr schnell ein nationales System für den Emissionshandel auf. Zugleich werden Finanzmarkt-Akteure wie BlackRock aus den USA bei fossilen Investitionen zunehmend vorsichtig.

Die sechs Meilensteine der Experten für 2020 reichen vom Energiesektor (Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren an der globalen Energieversorgung auf 30% und Ausstieg aus allen Kohlekraftwerken) bis hin zum Transportsektor (Erhöhung des Marktanteils der Elektrofahrzeuge an den Neuwagenverkäufen auf 15% weltweit, gegenwärtig beträgt er grob 1%) und zum Finanzsektor (Mobilisierung von jährlich einer Billion US Dollar für Klimaschutz).

„Die Klima-Mathematik ist brutal klar: Die Welt kann zwar nicht innerhalb von wenigen Jahren geheilt werden, aber wenn wir nichts tun, dann können wir sie durch Fahrlässigkeit bereits bis 2020 tödlich verwunden“, sagt Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut, Ko-Autor sowohl des Kommentars in Nature als auch des Artikels in Science. Entschlossenes Handeln bis 2020 ist notwendig, aber natürlich nicht hinreichend – es muss die Richtung vorgeben, um dann jedes Jahrzehnt die CO2-Emissionen zu halbieren. So wie das legendäre 'Moore’s law', demzufolge sich die Rechenkraft von Computerprozessoren ungefähr alle zwei Jahre verdoppelt, kann das 'carbon law' eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sein, die Innovation und Marktkräfte mobilisiert, so Schellnhuber. „Das wird dann nicht mehr zu stoppen sein – aber nur, wenn wir jetzt die Welt in Bewegung setzen.“


Taten statt warten

Wenn es um Ankündigungen für den Klimaschutz geht, gibt Angela Merkel gern die Vorreiterin. Doch bei der Umsetzung hapert es. Nun leistet Greenpeace Hilfestellung.

Von Anja Franzenburg, Greenpeace-Online, 1.7.17

„Wir können und werden nicht darauf warten, bis auch der Letzte auf der Welt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Klimawandels überzeugt werden konnte.“ Den Satz sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in ihrer Regierungserklärung. Und meinte mit dem Nachzügler selbstverständlich Donald Trump. „Das Klimaabkommen ist unabkehrbar, und es ist nicht verhandelbar“, setzte Merkel dann noch einen drauf – und machte damit deutlich: Nun, da Trump den weltweit zweitgrößten Klimasünder USA aus dem Pariser Abkommen führen will, muss auch Deutschland noch mal draufsatteln.

Eine Erkenntnis, so richtig wie bekannt. Von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über Indiens Oberhaupt Narendra Modi bis zu Südkoreas neuem Staatschef Jae-in Moon haben nach Trumps Ankündigung einige G20-Chefs verlautbaren lassen, mehr als bisher zu tun, um das Klima zu schützen. In dieser Gruppe wäre Deutschland als Mutterland der Energiewende gut aufgehoben.

Bundeskanzlerin Merkel ist in erster Linie groß darin, sich als Klimakanzlerin in Szene zu setzen. Fakt ist aber, dass die CO2-Emissionen im vergangen Jahr gestiegen sind. Mit 906 Millionen Tonnen waren sie so hoch wie im Jahr 2009. Warum? Weil das Land an klimaschädlicher Kohle festhält. Greenpeace legt nun mit einer bei Energy Brainpool beauftragten Studie einen detaillierten Abschaltplan vor. Der zeigt, wann welches Kohlekraftwerk vom Netz gehen muss, damit Deutschland seine Klimaziele einhält, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden. Bis zum Jahr 2030 wäre dann Schluss mit der Kohle.

Deutschland: Spitzenreiter bei Braunkohle-Produktion

„Die Kanzlerin muss verhindern, dass die Energiewende auf halbem Weg stecken bleibt. Nur der Kohleausstieg wird sie wieder in Gang bringen“, sagt KarstenSmid, Greenpeace-Experte für Energie. Durch den kann das von der Bundesregierung gesteckte Klimaziel eingehalten werden, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Davon sind wir im Jahr 2017 allerdings um einige Prozentpunkte entfernt – wenn es so weitergeht, schafft Deutschland bis zum finalen Datum 36 Prozent.

Nun muss man Deutschland zu Gute halten, dass wir innerhalb weniger Jahre aus der hochgefährlichen Atomenergie aussteigen – hier bräuchte etwa Frankreich dringend Nachhilfe. Das aber ist kein Grund für das unverhältnismäßige Festhalten an Kohle. Denn der Ausbau Erneuerbarer Energien schreitet voran, Strom ist reichlich da: Die Kraftwerke exportieren immer häufiger dreckigen Kohlestrom ins Ausland, weil er hier nicht gebraucht wird. Und dennoch wird gebaggert – kein anderes Land baut so viel Braunkohle ab, wie Deutschland.

Nach vorne blicken

Greenpeace hat in der Vergangenheit gezeigt, wie der Kohleausstieg sozialverträglich gestaltet werden kann. Auch die Technik ist da – für Energien, die ihre Kraft aus den unendlichen Ressourcen Wind und Sonne ziehen. Ihr Einsatz nimmt weltweit zu. Der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens steht eigentlich nichts im Wege – auch nicht ein Trump im Weißen Haus. „Mit dem 40-Prozent-Ziel steht und fällt die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin im internationalen Klimaschutz“, sagt Greenpeace-Experte Karsten Smid. „Nur wenn klimaschädliche Kohlemeiler gut geplant vom Netz gehen, wird das Klimaziel erreicht.“ Und nur so bleibt Bundeskanzlerin Merkel glaubwürdig, um beim anstehenden G20-Gipfel in Hamburg von den Staaten eine schnelle Umsetzung des Pariser Abkommens fordern zu können.“


Schwellenländer holen auf bei Investitionsklima für erneuerbare Energien

Deutschland, Großbritannien und Frankreich noch an der Spitze
Solarenergie-Boom in China und Indien
Verdoppelung der Investitionen zur Einhaltung der Pariser Klimaziele nötig
Allianz Klima- und Energie-Monitor 2017 zeigt Investitionsattraktivität und -bedarf der G20-Staaten für erneuerbare Energien


Gemeinsame Pressemitteilung Allianz Climate Solutions, Germanwatch und NewClimate Institute, 29.6.17

München, Hamburg, Köln. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und China sind aktuell die attraktivsten Ziele für Investitionen in erneuerbare Energien. Aber Schwellenländer wie Indien, Brasilien und Südafrika haben stark aufgeholt und überzeugen Kapitalgeber mit stabileren Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen. Der Infrastrukturausbau für Solar-, Wind- und Wasserenergie gilt als wichtigster Erfolgsfaktor für die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Dies zeigt der heute veröffentlichte Allianz Klima und Energie Monitor 2017. Die Studie untersucht, wie gut das Investitionsklima der G20-Staaten für regenerative Energieprojekte ist und welcher Kapitalbedarf vorliegt. Er wird von Allianz Climate Solutions, NewClimate Institute und Germanwatch zum zweiten Mal in Folge aufgelegt.

Um die vereinbarten Maßnahmen zur Begrenzung der Klimaerwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu erreichen, sind laut Monitor bis 2035 jährliche Investitionen der G20-Staaten in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollar notwendig. Dies bedeutet fast eine Verdoppelung der Summe, die 2015 investiert wurde. Den größten Investitionsbedarf zeigen die Wachstumsmärkte Brasilien, Indien, Südafrika und Indonesien. Um ihren steigenden Energiebedarf mit den Klimaschutzzielen zu vereinbaren, ist nicht nur ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energieinfrastruktur nötig, sondern auch eine Anpassung an die veränderten Klima- und Wetterbedingungen.

Deutschland hält die Spitzenposition hinsichtlich der Attraktivität für Investoren vor Großbritannien und Frankreich. Ausschlaggebend sind die stabilen Marktbedingungen, positive makroökonomische Faktoren und unterstützende Politikmaßnahmen für erneuerbare Energien. Mit langfristigen Strategien wie dem Klimaschutzplan 2050 schafft die Bundesrepublik stabile politische Rahmenbedingungen, die nach Einschätzung der Studie langfristig verfolgt werden. Eine wichtige Maßnahme für die Einhaltung der deutschen Klimaziele ist die Reduzierung der CO2-Emissionen, die durch Verkehr und Energiegewinnung aus Kohle entstehen. Auch bei der Marktkapazität für erneuerbare Energien liegt Deutschland an der Spitze - mit schon jetzt 28 Prozent Anteil (ohne Wasserkraft) an der Stromerzeugung und einer hohen Marktreife.

China als größter CO2-Emittent der Welt folgt bei der Attraktivität auf Rang vier. Der Markt für erneuerbare Energien boomt und die Politik hat mit klaren Rahmenbedingungen dafür gesorgt, dass China im Jahr 2016 mehr Solarinfrastruktur aufgebaut hat, als alle anderen G20-Staaten zusammen.

„Der neue Allianz Klima und Energie Monitor zeigt, dass insbesondere Schwellenländer in eine Führungsrolle bei erneuerbaren Energien drängen. Sie haben die wirtschaftlichen Chancen entdeckt und entwickeln auch ihre Finanzierungssysteme für grüne Energien weiter", erläutert Simone Ruiz-Vergote, Geschäftsführerin von Allianz Climate Solutions. „China, Indien und Südafrika haben sich bei der Investitionsattraktivität stark verbessert. Diese Länder haben gute Perspektiven für erneuerbare Energien, wenn die politische Unterstützung und die Marktaktivität anhalten.“

Insgesamt wird in den G20-Staaten mehr in die Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Wasserkraft investiert als in alle anderen neuen Kraftwerke. In den vergangenen fünf Jahren sind diese Investitionen jährlich um rund 25 Prozent gestiegen. Zu den Treibern zählen die fallenden Technologiepreise. In einigen Ländern sind erneuerbare Energien bereits ohne staatliche Förderung wettbewerbsfähig. „Wind- und Solarkraft benötigen auch bei fallenden Preisen ein positives politisches Umfeld. Für Investoren ist eine transparente und verlässliche Politik ein Kernkriterium", sagt Jan Burck von Germanwatch, einer der Autoren der Studie. Co-Autor Prof. Dr. Niklas Höhne vom NewClimate Institute ergänzt: „Die Kosten-Hürde ist genommen - Erneuerbare Energien sind heute wettbewerbsfähig. Nun müssen die Staaten an ihrer Energie-Infrastruktur und dem Marktsystem arbeiten, damit hohe Anteile wetterabhängiger Stromproduktion nicht zu Problemen führen." Nach Anschubinvestitionen kann Wind- und Solarstrom nach einigen Jahren durchaus kostenneutral erzeugt werden.

Versicherungsunternehmen können bei der Transformation mit ihren langfristigen Investitionsstrategien und ihrer Expertise im Risikomanagement eine zentrale Rolle spielen. Für Verträge mit langfristigen Renditezielen wie Lebensversicherungen oder die private Altersvorsorge sind solche Investitionen besonders interessant. Als führender Investor in erneuerbare Energien hat die Allianz bislang 4,6 Milliarden Euro in Wind- und Solarparks über Eigen- und Fremdkapitalinvestitionen angelegt. Das Unternehmen plant, seine Investitionen in erneuerbare Energien weiter auszubauen. „Verlässliche und stabile Rahmenbedingungen eröffnen den Zugang zu mehr Kapitalquellen bei geringeren Kosten. Daher kann ein umfassender Ansatz unterstützen, die Kosten für die Umstellung auf eine emissionsarme Wirtschaft zu reduzieren“, bekräftigt Axel Zehren, Chief Financial Officer bei Allianz Investment Management.

Der Allianz Klima und Energie Monitor

Der Monitor vergleicht die G20-Staaten hinsichtlich ihrer Attraktivität für Investitionen in eine emissionsfreie Energie-Infrastruktur. Zudem berechnet er den momentanen und künftigen Investitionsbedarf - davon ausgehend, dass das 1,5 bis unter 2-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden soll. Zentral für eine hohe Attraktivität sind eine verlässliche Energie- und Klimapolitik, konkrete und transparente Unterstützung für Erneuerbare Energien, faire Wettbewerbsbedingungen im Vergleich zu fossilen Energien sowie Markterfahrungen mit Erneuerbaren. Hinzu kommen generelle makroökonomische Faktoren wie Inflation, Offenheit für ausländische Investoren und Rechtssicherheit. Erstellt wurde der Monitor zum zweiten Mal von Allianz Climate Solutions in Kooperation mit Germanwatch und dem NewClimate Institute.




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