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Update bras. Waldgesetz

Kahlschlag in Brasilien: Stoppt das Waldgesetz!

WWF-Online, November 2011

Es wäre die schlechteste Nachricht für das Weltklima der letzten Jahrzehnte: Mit dem neuen Waldgesetz droht der brasilianischen Amazonasregion ein gigantischer Kahlschlag. Millionen Hektar Regenwald könnten abgeholzt werden – ganz legal. Noch kann Brasiliens Präsidentin Dilma Rouseff diese gewaltige Umweltkatastrophe verhindern.

Illegal gerodete Fläche würden durch eine Amnestie über Nacht legalisiert werden, 76,5 Millionen Hektar Land durch die vorgeschlagene Gesetzesänderung zur Abholzung freigegeben – eine Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen. 28 Milliarden Tonnen Kohlendioxid würden damit zusätzlich freigesetzt. Das entspricht dem gesamten CO2-Austoß Deutschlands in 28 Jahren. Die Konsequenzen sind unabsehbar. „Diese Veränderung des Waldgesetzes wäre die schlechteste Umweltnachricht der letzten 20 Jahre“, sagt WWF-Waldexperte Roberto Maldonado.

Kampf um Land

Brasilien hat eines der fortschrittlichsten Waldschutzgesetze der Welt – bisher. Es schreibt vor, dass bei Privatgrundstücken ein bestimmter Anteil bewaldet bleiben muss. Im Amazonasgebiet sind dies 80 Prozent eines Grundstücks. Durch Verschärfungen von Schutzbestimmungen konnte der Raubbau am Regenwald in den letzten Jahren zumindest verlangsamt werden. Trotzdem verliert Brasilien im Durchschnitt der letzten Jahre 1,65 Millionen Hektar Regenwald – ungefähr die Fläche Thüringens.

Die Agrarlobby streitet aber seit Jahren dafür, mehr abholzen zu dürfen. Seit Ende der 1990er Jahre gab es eine ganze Reihe von parlamentarischen Initiativen, um den Prozentsatz der geschützten Waldanteile zu verringern – und den Landhunger der brasilianischen Landwirtschaft zu stillen.

Das neue Gesetz…

Die vorliegende Novelle des Código Florestal sieht vor, dass Umweltauflagen für Grundbesitzer drastisch gelockert werden. Sie dürften auf ihren Besitzungen im Amazonas den Bewaldungsanteil von 80 auf 50 Prozent reduzieren. Rinderzucht soll nun auch auf bisher geschützte Flächen wie Hängen und Bergkuppen erlaubt werden. Dazu ist eine Amnestie für zurückliegende illegale Rodungen vorgesehen. Die bisherige Wiederaufforstungsverpflichtung für illegal abgeholzte Flächen würde um 90 Prozent zurückgefahren.

Das alles hätte nicht nur Folgen für das Klima: Die Bodenerosion würde zunehmen, der Düngemitteleinsatz müsste steigen, durch die fehlenden Wälder würde der Wasserkreislauf gestört. Es käme zu Problemen in der Trinkwasserversorgung, die Gefahr von Hochwasser und Erdrutschen würde steigen – und letztendlich der Mensch leiden.

Die Neufassung des Waldgesetzes wird voraussichtlich bis Anfang Dezember den Senat und das Repräsentantenhaus Brasiliens fast ohne Veränderung passieren. Im Anschluss müsste Präsidentin Dilma Rousseff das Gesetz unterschreiben. Sie kann aber auch ihr Veto einlegen.

Überwältigende Mehrheit der Brasilianer dagegen

Der WWF fordert im Einklang mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis von der Brasilianischen Bischofskonferenz bis zu Greenpeace Präsidentin Rousseff auf, das neue Waldgesetz nicht zu unterschreiben – nicht nur wegen der Folgen für das Klima. Es wäre ein verheerendes Signal für den Weltklimagipfel in Durban und den Nachhaltigkeitsgipfel im Juni 2012 in Rio de Janeiro. Die sinnvollen Alternativen zum neuen Waldgesetz: 61 Millionen Hektar braches Weideland könnten landwirtschaftlich bestellt werden, zudem Methoden und Effizienz von Agrar- und Viehwirtschaft verbessert werden, ohne dass Regenwaldflächen entwaldet werden müssen.

Die brasilianische Bevölkerung hat schon verstanden, dass das neue Gesetz nur den Landbesitzern nutzt. Im Juni 2011 sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage 85 Prozent gegen das Gesetz und für den Waldschutz aus.




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