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Peru: Camisea-Gasprojekt genehmigt

Peru gibt grünes Licht für Erdgasvorhaben: Desaster für unkontaktierte Völker

Survival International Deutschland e.V. Pressemitteilung, 27.1.14

Perus Regierung hat die höchst umstrittene Ausweitung des Camisea-Gasprojektes auf das Land unkontaktierter Amazonas-Indianer genehmigt. Die Pläne hatten international für Entrüstung gesorgt, den Rücktritt von drei Ministern bewirkt und wurden von den Vereinten Nationen und internationalen Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert.

Perus Kulturministerium, das für den Schutz der indigenen Bevölkerung zuständig ist, hat die Pläne der Öl- und Gaskonzerne Pluspetrol (Argentinien), Hunt Oil (USA) und Repsol (Spanien) genehmigt, die Tausende kleine Sprengungen, mehrere Erkundungsschächte und Hunderte Gasarbeiter im Nahua-Nanti-Reservat vorsehen. Das Gebiet liegt nur rund 100km von Machu Picchu entfernt.

Die Ausweitung könnte unkontaktierte Völker, die in dem Reservat leben, dezimieren, denn jeder Kontakt zwischen den Indigenen und den Arbeitern würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Übertragung von Krankheiten führen, gegen die die Indigenen keine Abwehrkräfte besitzen.

Selbst Pluspetrol erkennt die zerstörerischen Folgen, die Camiseas Ausweitung haben könnte, an. In seinem “Anthropologischen Notfallplan” erklärt der Konzern, dass jede Krankheitsübertragung durch die Arbeiter eine “anhaltende Periode von Krankheiten, massiven Todesfällen und, im besten Fall, eine lange Periode der Besserung, verursachen könnte”.

Als der Ölkonzern Shell erstmals Erkundungen in dem Gebiet vornahm, starb an den Folgen fast die Hälfte des Nahua-Volkes. Ein Nahua erinnert sich: “Viele, viele Menschen starben. Überall starben Menschen, wie Fische in einem vergifteten Fluss. Menschen verwesten an den Flussufern, in den Wäldern, in ihren Häusern. (…) Diese schreckliche Krankheit!”

Das Projekt verstößt gegen peruanisches und internationales Recht, das die Zustimmung indigener Völker zu Projekten auf ihrem Gebiet erfordert.

Letztes Jahr fanden weltweit Proteste gegen die Ausweitung von Camisea statt und mehr als 131.000 Anhänger der Menschenrechtsorganisation Survival International haben Perus Präsident Humala dazu aufgefordert, die Ausweitung von Öl- und Erdgasprojekten auf dem Land unkontaktierter Völker zu stoppen. Heute übergab Survival eine Liste mit den Tausenden Petitionsunterschriften an die peruanische Botschaft in London.

Als Reaktion auf die Proteste von Survival International und lokalen Organisationen wie AIDESEP, FENAMAD, COMARU, ORAU und anderen, wurden seismische Tests an Flussläufen abgewendet und einer der Erkundungsschächte vom Gebiet unkontaktierter Völker verlegt.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Vor 30 Jahren drangen Arbeiter auf der Suche nach den Vorkommen im Camisea-Feld bis tief in das Gebiet der Nahua ein. Schon bald darauf wurde das halbe Volk von Grippe und ähnlichen Krankheiten ausgelöscht. Hat die Regierung Perus wirklich nichts aus der Geschichte gelernt? Ist sie für ein paar weitere Erkundungsschächte bereit, das Risiko einzugehen, dass sich diese Tragödie wiederholt?”


Studie: Weltweit höchste Abholzungsrate auf dem Land von unkontaktiertem Volk

Survival International Deutschland e.V. Pressemitteilung, 21.1.14

Eine neue wissenschaftliche Studie enthüllt, dass der Chacho-Wald in Paraguay – die letzte Zuflucht unkontaktierter Ayoreo-Indianer – mit der höchsten Abholzungsrate der Welt zerstört wird. Die Studie der Universität von Maryland kommt zu dem Befund, dass “die Wälder in Paraguays Chaco (…) rapide Abholzung durch die Entstehung von Rinderfarmen erfahren. Das Ergebnis ist die höchste Abholzungsrate der Welt.”

Diese dramatischen Satellitenbilder zeigen das unfassbare Ausmaß der Zerstörung, die im Chaco zwischen 1990 und 2013 stattgefunden hat. Das Gebiet, das die Ayoreo als ihr angestammtes Land beanspruchen, ist einer der letzten verbliebenen Flecken Wald. Wie viele andere indigene Völker weltweit, hängen die unkontaktierten Ayoreo für ihr Überleben vom Wald ab und haben diesen seit Jahrtausenden geschützt.

Erst kürzlich sorgte eine Entscheidung von Paraguays Umweltministerium für Entsetzen, als den brasilianischen Viehzuchtfirmen Yaguarete Pora S.A. und Carlos Casado S.A. (Tochter der spanischen Unternehmensgruppe Grupo San José) eine Genehmigung zur Abholzung des Waldes der Ayoreo erteilt wurde, obwohl dieser innerhalb eines geschützten UNESCO-Biosphärenreservates liegt.

Die unkontaktierten Ayoreo leben auf der Flucht vor den Baggern, die ihren Wald zerstören. Jeder Kontakt mit den Viehzüchtern könnte für sie tödlich enden, da sie keine Abwehrkräfte gegen Krankheiten von Außerhalb gebildet haben.

In einem nachdrücklichen Aufruf an den UN-Sonderberichterstatter für die Rechte indigener Völker erklärte die Ayoreo-Organisation OPIT: “[Für die Ayoreo und ihre unkontaktierten Verwandten] begründet der Schutz des Waldes und ihres Landes das Leben selbst.” “Die Viehzucht-Projekte von Yaguarete und Carlos Casado auf dem angestammten Land der Ayoreo-Totobiegosode würden ihr Waldsystem mit all seinen natürlichen Ressourcen auslöschen und verwüsten.”

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Wie viel länger wird sich Paraguay noch zweier UNESCO-Biosphärenreservate rühmen? Mit der höchsten Abholzungsrate der Welt wird der Chaco nicht ewig reichen. Mit ihm wird auch das einzige unkontaktierte Volk des Landes ausgelöscht. Die Regierung muss die brasilianischen Viehzüchter daran hindern, das Erbe seines Volkes zu zerstören, bevor es für den Chaco und die Ayoreo zu spät ist.”




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