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Aktuell

Kahlschläge im NP Eifel

Kahlschläge im Nationalpark Eifel: Umstrittener Weg zum Urwald

Kölner Stadt-Anzeiger, 24.1.14

http://www.ksta.de/schleiden/kahlschlaege-im-nationalpark-eifel-umstrittener-weg-zum-urwald,15189162,25986020.html


Stellungnahme zum ARD-Beitrag des Wirtschaftsmagazins PLUSMINUS „Kahlschlag im Naturschutzgebiet“ vom 08.01.2014

Förderverein Nationalpark Eifel e.V. Pressemitteilung, 21.1.14

Schleiden-Gemünd - Der Förderverein Nationalpark Eifel e.V., der vor 12 Jahren die Einrichtung des Nationalparks mit initiierte, begleitet die Arbeit der Nationalparkverwaltung seitdem kritisch, insbesondere alle Maßnahmen im Bereich der Wald- und Wildnisentwicklung.

Wir setzen uns für eine möglichst natürliche Waldentwicklung und – wo im laufenden Prozess der Entwicklung des Nationalparks technische Arbeiten noch notwendig sind – für eine möglichst schonende Art und Weise dieser Maßnahmen ein. Zu diesen Maßnahmen können in begründeten Ausnahmefällen auch so genannte Kahlschlagmaßnahmen gehören. Sämtliche Maßnahmen werden vor ihrer Umsetzung in einem transparenten Prozess in den Nationalparkgremien beraten und beschlossen. Neben dem Förderverein sind in diesen Gremien die anerkannten Naturschutzverbände, die Biologischen Stationen sowie die Fachleute der Nationalparkkommunen und -kreise vertreten.

Durch die sachlich falsche Darstellung und schlechte journalistische Arbeit des Magazins PLUSMINUS fühlt sich der Förderverein aufgerufen, zu den im Beitrag unsachgemäßen, unrichtigen und verkürzt dargestellten Inhalten im Folgenden Stellung zu nehmen.

Kahlschläge im Nationalpark werden grundsätzlich auch vom Förderverein kritisch gesehen, sie können aber in Einzelfällen aus naturschutzfachlichen Gründen sinnvoll und aus rechtlichen Gründen unumgänglich sein. Bei der im ARD-Beitrag angesprochenen Maßnahme handelt es sich um eine Kahlschlagfläche in einem feuchten Bachtal in Hang- und Höhenlage. Im Rahmen eines durch die EU geförderten LIFE-Projektes werden hier zur Renaturierung von Bachtälern Fichten entnommen. Außerdem bestand für die Fichten ein hohes Windwurfrisiko. Aufgrund der Nähe zu Privat- und Kommunalwäldern musste wegen des möglichen Überspringens des Borkenkäfers das Holz zeitnah aufgearbeitet werden und konnte nicht, wie es naturschutzfachlich wünschenswert wäre, als Totholz auf der Fläche verbleiben.

Im Bericht wurde fälschlicherweise behauptet, dass ein Buchenmischwald an dieser Stelle das Ziel der Waldentwicklung darstellt. In diesem Fall wäre eine Auslichtung der Fichtenbestände mit Buchenunterpflanzung tatsächlich sinnvoll. In feuchten Bachtälern wie hier im Wüstebachtal, entwickelt sich aber ein Laubmischwald mit einem hohen Anteil an Weiden, Erlen und Birken, für den eine Buchenunterpflanzung sinnlos ist.

Vollkommen unterschlagen wurde im Sendebericht die Nutzung der Fläche für das TERENO-Forschungsprojekt der Helmholtz-Gemeinschaft und den Sonderforschungsbereich Bio- und Geowissenschaft des Forschungszentrums Jülich. Im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen, die laut Nationalpark-Verordnung auch zum Aufgabenbereich des Nationalparks gehören, wird hier mit hochsensibler und aufwendiger Messtechnik eine Langzeitbeobachtung durchgeführt, die Aufschluss über die Dynamik des Kohlenstoff- und Stickstoffhaushaltes eines Fließgewässers wie dem Wüstebach und den angrenzenden Flächen geben soll. Die Messergebnisse werden Erkenntnisse zum aktuellen und zukünftigen Klima liefern und wissenschaftlich von internationalem Rang sein. Die Entfernung der Fichten war auf dieser Fläche seit Jahren im Rahmen des Forschungsprojektes vorgesehen gewesen; die nun mit der Maßnahme eintretenden Veränderungen (Boden, Licht, Wasser- und Nährstoffhaushalt) und die selbständige Entwicklung zu einem standortgerechten naturnahen Laubmischwald werden durch das Projekt intensiv begleitet. Dies wurde seit Langem von der Nationalparkverwaltung auch entsprechend kommuniziert und von allen Naturschutzverbänden mitgetragen.

PLUSMINUS zeigt Harvester im Einsatz und moniert das Befahren der Fläche durch schweres Gerät, was die Zerstörung des Waldbodens zur Folge gehabt haben soll. Die Besichtigung der Fläche durch eines unserer Vorstandsmitglieder und Mitglieder eines ansässigen Naturschutzverbandes zwei Tage nach der Ausstrahlung des Berichtes ergab folgende Fakten:
  • Es war festzustellen, dass im Maßnahmenbereich (mit Ausnahme des Randbereiches unmittelbar am Wegrand) keine Harvesterspuren zu sehen waren. Der Boden im Quellbereich war völlig unversehrt.
  • Die Fällung ist eindeutig händisch und per Seilrückung erfolgt, was bereits im November 2012 von der Nationalparkverwaltung zugesichert wurde.
  • Soweit im Filmbeitrag Harvester im Einsatz gezeigt wurden, waren diese nur ganz am Rande der Fläche aktiv, um die Bäume für den Abtransport zu entasten, was die großen Asthaufen am Wegrand zeigen. Seltsam ist in diesem Zusammenhang auch, dass die auf der gesamten Fläche verteilten Messinstrumente des TERENO-Forschungsprojektes nicht im Beitrag zu sehen sind.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Nationalparkverwaltung die Maßnahme im Quellgebiet des Wüstebaches wie in den Gremien kommuniziert durchgeführt hat. Die komplexen und ökologisch vielfältigen Zusammenhänge erlauben keine derart grobe Vereinfachung des Themas. Wir erwarten von der Redaktion einer renommierten Sendereihe die Fähigkeit und Bereitschaft, einen objektiv und unter Berücksichtigung aller Fakten recherchierten Bericht zu erarbeiten, es sei denn, eine prätentiöse Berichterstattung war gewollt. Das allerdings wäre ein Affront gegenüber allen gebührenzahlenden Zuschauern und schlechter Journalismus, den wir im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als nicht akzeptabel erachten.

Der Förderverein versteht sich als Informations- und Diskussionsplattform für alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in die Entwicklung des Nationalparks einbringen möchten. Wir sind ein unabhängiger Verein mit eigenständigen Positionen, der die Arbeit der Verwaltung auch weiterhin kritisch-konstruktiv begleiten wird. Durch unsere Gremienarbeit sehen wir uns im vorliegenden Fall mit in der Verantwortung und möchten unsere ehrenamtlich geleistete Arbeit nicht derart schlecht bewertet und unrichtig dargestellt sehen.

Wir werden daher Kontakt mit dem WDR/ARD aufnehmen und uns dafür einsetzen, eine Richtigstellung bzw. einen neuen Beitrag im gleichen Medium zu senden.




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