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30 Jahre Waldzustandserhebung

30 Jahre Waldzustandserhebungen

Im Sommer 1984 fand die erste große Waldschadensermittlung statt
Die Bäume und Waldböden sind heute so krank wie vor 30 Jahren
„Waldsterben“ blieb seinerzeit aus – heute neue Gefahr durch Klimawandel
AGDW fordert effektiven Pflanzenschutz gegen aggressive Schadinsekten
Patient Wald lässt zwei Millionen Deutsche seit 30 Jahren mitleiden

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände Pressemitteilung, 25.7.14

Seit 30 Jahren werden die Waldschäden in Deutschland anhand eines systematischen Stichprobennetzes ermittelt. Bei der Betrachtung der jährlichen Zahlenreihen ergibt sich zum 30. Jahrestag der Berichterstattung ein ernüchternder Befund: Der Waldzustand hat sich nicht verbessert. Heute wie damals weisen 23 Prozent der Bäume deutliche Kronenverlichtungen auf. Als gesund gelten aktuell lediglich 38 Prozent der Waldfläche, 1984 waren es immerhin noch 49,5 Prozent. „Was 1984 zu einem lauten Aufschrei in der Bevölkerung und in den Medien führte, interessiert heute nahezu niemanden mehr“, beobachtet Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident von AGDW – Die Waldeigentümer, und erklärt dies so: „Den Menschen ist nicht mehr bewusst, dass sie mit ihren Emissionen aus Autos und Motorrädern, Öl- und Gasheizungen dem Wald schweren Schaden zufügen – und zugleich zwei Millionen Mitbürgern, die von ihren Wäldern leben.“

Auch für die Politik hat der Wald in den letzten 30 Jahren ganz offensichtlich an Relevanz verloren. Die Waldschadensberichte wurden irgendwann zu Waldzustandsberichten und das zuständige Bundesministerium bekam die „Forsten“ aus dem Titel gestrichen. Ganz anders war dies noch 1984, als Ignaz Kiechle (CSU) das Ergebnis der im August und September vorgenommenen Waldschadenserhebung vorstellte. Seine Aussage „Jeder zweite Baum ist krank“ markierte einen Höhepunkt der Waldsterbensdebatte. Zur Bekämpfung der Luftverschmutzung wurden die Katalysatorpflicht für Neuwagen und ein Großversuch zur möglichen Einführung eines Tempolimits beschlossen.

Stickstoffeinträge gefährden die Lebensgrundlage der Waldeigentümer

Warum ist das Waldsterben entgegen der forstwissenschaftlichen Befunde von der Agenda verschwunden? Die Vorläufer des ersten repräsentativen Waldberichts hatten schon mit vermeldeten Baumschäden in Höhe von 8 Prozent (1982) bzw. 34 Prozent (1983) alarmierende Kraft ausgeübt und die Politik unter anderem darin bestärkt, die Rauchgasentschwefelung von Großfeuerungsanlagen zu beschließen. „Für jedermann war klar, dass man den Wald erhalten und die Forstwirtschaft und Waldeigentümer nach besten Kräften absichern muss“, erinnert AGDW-Präsident zu Guttenberg an die damalige große Solidarität mit den zahllosen betroffenen Forstbetrieben und Familien. „Davon ist nichts mehr geblieben, wohl auch, weil das Sterben von Bäumen und das Versauern von Böden nur für Experten sichtbar sind. Gleichwohl hält die Schädigung der Wälder durch unseren gesellschaftlichen Konsum- und Lebensstil an. Was früher der Schwefel war, ist heute Stickstoff.“ Jeder Deutsche sei gefordert, seinen Alltag klima- und umweltfreundlicher zu gestalten, weil die Politik in einem demokratischen System die Verhaltensänderung nicht vorschreiben kann.

„Waldsterben 2.0“ durch den Klimawandel?

Durch den nach wissenschaftlichem Ermessen unaufhaltsamen Klimawandel kommen neue Gefahren auf den Wald zu. Die höheren Temperaturen fördern bereits jetzt die Massenvermehrung von Schadinsekten wie Eichen- und Kiefernprozessionsspinner. Diese Schädlinge töten die Bäume ab und stellen teilweise sogar für Waldbesucher ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko dar. Den Waldbesitzern jedoch wird eine Bekämpfung dieser Insektenarten durch behördliche Hürden und Verbote schwer oder gar unmöglich gemacht. Sie sehen sich außer Stande, ihr Eigentum angemessen zu schützen. Zu Guttenberg fordert daher: „Wir brauchen zunächst einmal eine bessere finanzielle und rechtliche Unterstützung durch die Politik im Kampf gegen diese neuen Gefahrenquellen, denn der Walderhalt liegt im öffentlichen Interesse. Tatenlos zuzusehen, wie großflächig Waldflächen vernichtet werden, ist verantwortungslos!“ Dieses weitere Kapitel in der Geschichte des Waldsterbens, das längst dem Fachbegriff „neuartige Waldschäden“ gewichen ist, sollte Politik und Öffentlichkeit neuerdings aufrütteln, um Deutschlands wichtigste und nachhaltigste Rohstoffreserve dauerhaft zu schützen. Philipp Freiherr zu Guttenberg appelliert: „Nach jetzt 30 Jahren Waldzustandsbeobachtungen und angesichts neuer Bedrohungen durch den Klimawandel fordere ich die Politik dazu auf, auf die wiederkehrenden negativen Zahlen zu reagieren und dem Wald und seinen Eigentümern wieder mehr Bedeutung und Unterstützung beizumessen.“




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