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Brandrodung in Amazonien nimmt zu

Wissenschaftlich vorhergesagte Zunahme von Bränden am Amazonas gefährdet UN-Bemühungen zur Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes

EU-Kommission FuE-Informationsdienst, 29.6.10

Aus Forschungsarbeiten der Universität Exeter im Vereinigten Königreich geht hervor, dass Landwirte im Amazonasbecken zunehmend Brandrodung in Gebieten mit reduzierter Entwaldung betreiben und somit die durch Maßnahmen der Vereinten Nationen (UN) erreichte Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes zu neutralisieren drohen. Auf natürliche Weise entstehen im Amazonasgebiet nur selten Brände. Brasilianische Landwirte brennen jedoch häufig alle drei bis fünf Jahre Agrarland ab, um den Nährstoffgehalt der Böden zu verbessern und deren Fruchtbarkeit für den Anbau von Nutzpflanzen zu optimieren. Die Ergebnisse der vom National Environment Research Council (NERC) im Vereinigten Königreich finanzierten Forschungsarbeiten wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Bei der Analyse von durch Satelliten aufgezeichneten Daten zur Entwaldung und zu Bränden im weltweit größten Regenwald (die Landnutzungskarte wurde von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) zur Verfügung gestellt) haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass die Häufigkeit von Bränden in Gebieten mit reduzierter Entwaldung um 59% gestiegen ist.

Die zusätzlichen Kohlenstoffemissionen, die durch den Übergriff der bei der Agrarlandrodung entfachten Brände auf die umliegenden Wälder ausgelöst werden, können teilweise den Erfolg bei der Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes zunichte machen, der über das REDD-Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) der Vereinten Nationen bisher verzeichnet werden konnte. Bei dem REDD-Programm handelt es sich um einen Treuhandfonds, mit dem ein Umdenken in der Waldbewirtschaftung über eine geeignete finanzielle Anerkennung gefördert werden soll.

"Eine veränderte Brandhäufigkeit könnte die Fortschritte gefährden, die im Rahmen des UN-REDD-Programms erreicht worden sind. Schließlich bedeutet eine Tendenz zu mehr Bränden eine gleichzeitige Tendenz zu weniger Entwaldung", bedauert Dr. Luiz Aragão, Forscher und Umweltwissenschaftler an der School of Geography der Universität Exeter.

Er weist darauf hin, dass die Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes, die dank der Vermeidung von Entwaldungsmaßnahmen bisher erreicht worden ist, durch eine Zunahme an Emissionen bei Bränden teilweise wieder aufgehoben werde, sollte im Rahmen des UN-REDD-Programms keine nachhaltige brandfreie Bodenbewirtschaftung eingeführt werden. "Trotz der Bedeutung, die das UN-REDD-Programm für diese Region hat, werden Brände im neu entstehenden UN-Rahmenwerk derzeit außer Acht gelassen", erläutert Dr. Aragão.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Shimabukuro drängt Dr. Aragão die Verhandlungspartner, diesen Aspekt bei künftigen UN-Gesprächen zum Klimawandel mit zu berücksichtigen. "Der Erfolg von REDD als Strategie zur Abschwächung des Klimawandels hängt insbesondere davon ab", so die Wissenschaftler, "ob die Entwaldung und Zerstörung des weltweit größten Regenwaldes - des Amazonasbeckens - stabilisiert werden kann."

"Wir müssen darauf hinarbeiten, dass die Menschen am Amazonas ihr Land so nutzen und bewirtschaften, dass sie dabei auf Brandrodungen verzichten können", wünscht sich Dr. Aragão. "Dafür benötigen sie finanzielle Hilfen zum Erwerb von Maschinen und für die Ausbildung, aber auch technische Unterstützung, damit sie eine brandfreie Bewirtschaftung ihrer Böden umsetzen und aufrechterhalten können."

"Durch die Umstellung der Bodenbewirtschaftungsmethoden in bereits entwaldeten Gebieten auf Brachebewirtschaftung und durch die Einführung einer vielfältigeren und nachhaltigeren landwirtschaftlichen Praxis auf gemeinschaftlicher Kooperationsebene ist es möglich, Brände und somit Kohlenstoffemissionen deutlich zu verringern. Dies wäre zwar kostspielig, würde aber dabei helfen", so Dr. Aragão weiter, "die Stabilität der Kohlenstoffbestände und die biologische Vielfalt des Amazonasbeckens zu schützen".

Die Forscher betonen, dass zur Unterstützung solcher Maßnahmen weitere Investitionen notwendig seien, "die über den REDD-Finanzierungsmechanismus hinausgehen". Diese Gelder würden einerseits genutzt, um "umweltfreundliche, innerhalb lokaler Gemeinschaften und von Landwirten am Amazonas eingesetzte Landnutzungsmethoden zu unterstützen, andererseits aber auch für Überwachungssysteme verwendet, die eine Quantifizierung verschiedener Arten der Waldzerstörung und der sekundären Walddynamik ermöglichen", erläutern Dr. Aragão und Dr. Shimabukuro.

Darüber hinaus betonen sie, dass bei einem Scheitern der Eindämmung von Brandrodungen im Amazonasgebiet "die im Rahmen des REDD-Programms gewonnenen Investoren und Geldgeber abgeschreckt werden könnten. Schließlich besteht die Gefahr, dass die mit der reduzierten Entwaldung erzielten Erfolge durch den bei Bränden verursachten Kohlenstoffausstoß aufgehoben werden. Zudem fehlt ein umfassendes und zuverlässiges System für die Überwachung, Auswertung und Überprüfung der Emissionen."

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis zu ein Fünftel aller durch menschliches Handeln freigesetzten Treibhausgase auf die Entwaldung zurückzuführen ist. Dieser neuesten Studie zufolge hatte das brasilianische Amazonasbecken im Zeitraum von 1998 bis 2007 einen jährlichen Verlust von 19.000 Quadratkilometern (km2) Wald zu verzeichnen, was einer Kohlenstofffreisetzung von 280 Millionen Tonnen pro Jahr entspricht. In den letzten Jahren wurde durch zusätzliche Brände wahrscheinlich ebenso viel Kohlenstoff freigesetzt wie durch die gezielte Abholzung. Zusammengenommen entspricht dies etwa den geschätzten 450 Millionen Tonnen Kohlenstoff, die von dem Waldgebiet pro Jahr aufgenommen werden, erklären die Wissenschaftler abschließend.







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