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Die WestLB-Pipeline (Kritik)


Das Pipeline-Projekt wird seit anderthalb Jahren von verschiedenen Seiten angegriffen. Dabei kann die Kritik in zwei große Gruppen eingeteilt werden: 1. Grundlegende Kritik an dem Bau der Pipeline und der Verdoppelung der Erdölförderung; sowie 2. Kritik an der Durchführung und der geplanten Streckenführung.

Zu 1.): Anlass für das Pipeline-Projekt sind die großen Auslandsschulden, die die Regierung gemacht hat, ohne dass sie der Bevölkerung zugute kamen. Während der Großteil des Erlöses aus der Erdölförderung und dem Pipelineprojekt direkt in die Taschen ausländischer Konzerne fließt, wird der Rest zur Tilgung dieser Schulden verwendet. Kirchen und andere Gruppen verlangen ein Ende der Schuldenkrise der Dritten Welt durch Schuldenerlass. In Peru wurde ein teilweiser Schuldenerlass dieses Jahr durch einen Abkommen mit den USA erreicht, in dem sich Peru zu Umweltschutzmaßnahmen verpflichtet. Mit ähnlichen Lösungen für Ecuador würde der Hauptgrund für den Bau der Pipeline wegfallen.

Hauptabnehmer des Erdöls aus Ecuador sind die USA, die sich auf Druck der heimischen Ölindustrie jeglichen Maßnahmen der Energieeinsparung sowie des Umwelt- und Klimaschutzes verweigern (Stichwort Kyoto-Protokoll). Viele Verbände halten es für verwerflich, die Naturschätze der Regen- und Nebelwälder, die Unversehrtheit der lokalen Bevölkerung und die kulturelle Integrität indigener Gruppen dem ungebremsten Konsum und CO2-Ausstoß der USA zu opfern. Dies entspricht sicher nicht der Agenda 21 und dem Kyoto-Protokoll, die von unserer Bundesregierung unterzeichnet worden sind. Während international versucht wird, das Gesamtprojekt durch eine Verhinderung der Finanzierung zu stoppen, bemühen sich die lokalen Gruppen in Ecuador resigniert vor allem darum, die Streckenführung der OCP zu beeinflussen.

Zu 2.): Unabhängig von der Streckenführung haben alle Pipelines von den Fördergebieten im Oriente über die Anden an die Küste mit folgenden Problemen zu kämpfen:
- Öl vergiftet selbst in geringen Mengen Trinkwasser, Flüsse und Böden auf lange Zeit. Ecuador kämpft mit vielen Ölverseuchungen durch die bestehende Pipeline SOTE und die bisherigen Förderanlagen. Auch bei der neuen Pipeline und den neuen Förderanlagen wird mit Ölverschmutzungen gerechnet, die Trinkwasserversorgung von 40 Städten, darunter der Hauptstadt Quito mit 600.000 Einwohnern, ist gefährdet, ebenso die Überschwemmungswälder des Panacocha-Reservates. Die Gesundheit von insgesamt 1 Mio. Menschen ist bedroht.
- Die Andenregion ist geologisch instabil. Erdrutsche, Erdbeben und aktive Vulkane lassen keine sichere Streckenführung zu. Häufige Leckagen sind unvermeidbar.
- Schon die bisherige Pipeline war beliebtes Ziel von Anschlägen der kolumbianischen Guerilla FARC. Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen ist mit noch zunehmender Gewalt zu rechnen, zumal die OCP-Strecke in einem bekannten Rückzugsgebiet der FARC liegt.

Die OCP-Strecke folgt im Osten und im Westen im Wesentlichen der SOTE. Im Andenbereich weicht sie dagegen stark ab und führt durch insgesamt 11 ökologisch bedeutsame Schutzgebiete, darunter das Mindo-Nambillo-Nebelwald-Reservat mit dem weltweit höchsten Vogelartenreichtum sowie ein Ökokorridor-Projektgebiet der Weltbank. Internationale Protestaktionen und Medien konzentrieren sich v.a. auf das Mindo-Reservat. Die Umweltverträglichkeitsstudie der OCP wird allgemein als nicht den legalen Anforderungen (u.a. fehlende öffentliche Beteiligung) sowie Weltbankstandards entsprechend und als unzureichend angesehen. Auch ließen Transparenz und Öffentlichkeits-beteiligung beim Planungsprozess sehr zu wünschen übrig. Auf jeden Fall hat das OCP-Konsortium schon mal Rücklagen in Höhe von 50 Mio. US-$ angelegt zum Ausgleich möglicher Umweltschäden.
 

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